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Entnervt von der Schlammschlacht

Handballer Silvio Heinevetter bleibt in Berlin - das Duell zwischen den Füchsen und dem HSV Hamburg verunsichert ihn

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Freitag steht der nächste erbitterte Handball-Kampf um den Einzug in die Champions League an, diesmal in Hamburg. Der HSV geht nach dem 30:30 am Mittwochabend bei den Füchsen Berlin leicht favorisiert ins Rückspiel. Die Fehde zwischen den beiden Bundesligaklubs besteht jedoch schon länger und fand im heißen Hinspielduell nur ihre sportliche Fortsetzung.

Das wochenlange Tauziehen zwischen dem HSV Handball und den Füchsen Berlin um Silvio Heinevetter geriet zuletzt zu einer Art Kampf der Systeme. Dort die Hamburger, die mit einem Etat von 8,5 Millionen Euro in die am Wochenende beginnende Bundesligasaison gehen und finanzkräftig um die Gunst des Berliner Torwarts gebuhlt hatten. Auf der anderen Seite die Füchse Berlin, die sich als Ausbildungsverein verstehen, die Saison aber immerhin auch mit knapp 5 Millionen Euro planen können. Der schwerste Vorwurf aus Berlin lautete »Wettbewerbsverzerrung«.

Füchse-Präsident Frank Steffel hatte dies mit den exorbitant hohen Gehaltsaussichten Heinevetters in der Hansestadt begründet, »die ein Verein, der sich selbst refinanzieren muss, nicht aufbringen kann«. Den Hamburger Mäzen Andreas Rudolph verglich Steffel wahlweise mit einem »Scheich« oder mit Roman »Abramowitsch beim FC Chelsea«. Der HSV schoss durch dessen Bruder, Präsident Matthias Rudolph, zurück. Dass Heinevetter in Hamburg das Doppelte verdienen könne sei »hanebüchener Schwachsinn«. Und: »Herr Steffel geht gern unter die Gürtellinie«, wehrte er sich gegen »persönliche Angriffe«.

Konkurrenten muss man nicht mögen, deren Philosophie ebenso wenig. Dass Hamburgs Handballer von Lust und Laune ihrer Geldgeber abhängig sind, ist sicherlich nicht das nachhaltigste Konzept für einen Sportverein. Aber mediale Schlammschlachten und populistisches Getöne - beides ist Steffel als CDU-Politiker gewohnt - sind unsouverän und unsportlich. Und manchmal leidet gar der eigene Erfolg darunter.

Der letzte Wirkungstreffer, den Steffel am Mittwochabend kurz vor dem Anpfiff setzen wollte, geriet zum Fehlschlag. Unter dem Getöse der 7100 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle verkündete er die Vertragsverlängerung von Silvio Heinevetter. Der Torwart, der nun bis 2018 für die Füchse Gegentreffer verhindern soll, stand derweil allein auf dem Parkett. Während sich beide Teams an ihren Bänken versammelt hatten, schien der 28-Jährige Steffels Worte und die Begeisterung darüber aufzusaugen. Es waren seine intensivsten Momente auf dem Spielfeld.

Nach einer Viertelstunde nahm Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson Heinevetter aus dem Spiel, die Hamburger führten mit 11:6. Um, wie schon oft bewundert, gegnerische Schützen mit Paraden in den Wahnsinn zu treiben, fehlte Heinevetter die nötige Fokussierung. Er fluchte, schien selbst entnervt. Dass die Füchse bis zur Pause das Spiel gedreht hatten und mit 18:15 führten, war vor allem Berlins zweitem Torwart zu verdanken. »Petr Stochl hat hervorragend gehalten«, lobte HSV-Trainer Martin Schwalb, der ein »intensives Spiel« erlebt hatte. Das Remis am Ende sahen nach weiteren aufopferungsvollen 30 Minuten beide Seiten als gerecht an.

Gar nicht einverstanden war Schwalb damit, dass die Berliner immer wieder »das David-Goliath-Prinzip rausholen«. Dies sei einfach unnötig. Ob sich die Füchse das nun auch denken? Ein besonders schöner Empfang erwartet die Spieler um Silvio Heinevetter heute in Hamburg sicher nicht.

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