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Gorlebens vergessene Atomanlage

Umweltschützer starten Unterschriftenaktion

Wurden in Gorleben längst Fakten für ein Endlager geschaffen? Der Betrieb einer weitgehend unbekannten Anlage spricht für diese These.

Der massive Bau ist 20 Meter hoch und eigentlich unübersehbar, doch außerhalb des Wendlands wissen nur wenige davon: Neben der Halle für Castorbehälter, dem Zwischenlager für schwach radioaktiven Müll und dem Erkundungsbergwerk über dem Salzstock steht noch eine Atomfabrik im Gorlebener Wald - die Pilotkonditionierungsanlage (PKA). Dabei handele es sich derzeit um »die Anlage mit der höchsten Brisanz«, sagen Umweltschützer. Sie wollen mit einer jetzt angelaufenen Unterschriftenaktion die Rücknahme der Betriebsgenehmigung erreichen.

Die war im Jahr 2000 nach gut zehnjähriger Bauzeit von der damaligen niedersächsischen Landesregierung erteilt worden. Laut Genehmigungsbescheid sollten in der weltweit einzigartigen Anlage alle Verfahren abgewickelt werden, »die mit der Konditionierung von Brennelementen zum Zwecke der direkten Endlagerung und mit der Abfallbehandlung für die Zwischen- und Endlagerung zusammenhängen«. Im Klartext: Die PKA sollte jedes Jahr zu Demonstrationszwecken in einer mit Panzerglas abgeschirmten »heißen Zelle« bis zu 35 Tonnen abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken zersägen und für die Endlagerung im Salzstock von Castor in kleinere »Pollux«-Behälter umpacken. Kokillen mit verglasten hoch radioaktiven Abfällen sollten Abschirmungen erhalten, um sie in Bohrlöcher in einem Endlager behälterlos zu versenken. Die Castoren sind für die Endlagerung nämlich viel zu schwer und zu teuer.

Dieser Arbeitsauftrag ergab aber nur so lange Sinn, wie Gorleben als Endlagerstandort gesetzt war - offiziell nahm die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 davon Abstand. Die Regierung erklärte die Fabrik kurzerhand zur Service- und Reparaturstation für Castorbehälter. Später wurde die Anlage auch noch als Umschlagplatz für rund 600 000 Brennelementkugeln aus dem längst stillgelegten Hochtemperaturreaktor Hamm-Uentrop gehandelt.

Die ursprünglichen Pläne würden aber immer noch verfolgt, warnt die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Zwar laufe die PKA derzeit nur im »Stand-by«-Betrieb, ein Umschalten auf »heißen« Betrieb sei aber technisch jederzeit möglich. Auch die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die die Anlage ebenso wie die beiden Gorlebener Zwischenlager betreibt, verweist darauf, dass die Konditionierungsanlage »genehmigt und voll funktionsfähig« ist. Der eigentliche Betrieb werde aber erst dann aufgenommen, »wenn sich der für die Endlagerung verantwortliche Bund für einen definitiven Standort entschieden hat«.

Die PKA bleibe also »Gelenkstelle« zwischen der Castorhalle und einem weiterhin möglichen Endlager, sagt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. »Sie wird mit Sicherheit als Argument genutzt, um den Salzstock Gorleben als Endlager zu favorisieren.« Die Unterschriftenliste soll im November dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) übergeben werden.

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