Gastarbeiterkomödie

»Portugal, mon amour« von Rubén Alves

  • Von Alexandra Exter
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Conciergeries von Paris sind fest in portugiesischer Hand. Oder waren das zumindest, bis die Rumänen kamen. Hausmeister zu sein und Handlanger in den schicken Wohnhäusern der Reichen, das ist längst ein Job für Migranten, die sich hocharbeiten wollen. Und Einwanderer kommen in Wellen, nach den Portugiesen nun eben die Rumänen. Weshalb es auch einem Verrat an ihrer ganzen portugiesischen Exilgemeinde gleichkäme, würden Maria (Rita Blanco) und José Ribeiro (Joaquim de Almeida) tatsächlich Job und Dienstwohnung im herrschaftlichen 16. Arrondissement von Paris aufgeben, um nach Portugal zurückzugehen.

»Portugal, mon amour« (der im französischen Original ganz anders, aber auch nicht viel subtiler »Der goldene Käfig« heißt) erzählt die Geschichte der Entscheidungsfindung, was denn nun zu tun sei angesichts einer Erbschaft, die verfallen würde, wenn kein Familienmitglied zurückkehrt, um die heimischen Weinberge selbst zu bewirtschaften. Da sind die Herrschaften zu bedenken, eine Reihe mehr oder weniger freundlicher Franzosen sowie ein einzelner Japaner, die ohne die aufopferungsvollen Dienste ihrer Concierge doch schließlich völlig aufgeschmissen wären. Der Bauunternehmer, für den José seit 30 Jahren als Vormann arbeitet und der sich ganz auf ihn verlassen kann, auch wenn es wieder unbezahlte Wochenendschichten einzuschieben gilt. Die beiden Kinder, die in Frankreich aufwuchsen und sich längst nicht mehr als Portugiesen fühlen. Und Marias Schwester, die für ihren Lebenstraum, in Paris ein portugiesisches Restaurant zu eröffnen, auf die Kochkünste ihrer Schwester angewiesen ist.

Es wird viel hin- und hergeredet und geplant in Rubén Alves’ in Frankreich spektakulär erfolgreicher Culture-Clash-Komödie, aber wenig von dem, was da gesagt wird, ist allzu weit von den sattsam bekannten Klischees entfernt. Ein einziges, herzzerreißend trauriges portugiesisches Lied, in einer Kneipe gesungen, reicht aus, um die erwachsene Tochter so nachhaltig an ihre portugiesischen Wurzeln zu erinnern, dass sie fortan jeden Widerstand gegen die Umsiedlung aufgibt. Derweil versucht Söhnchen Ribeiro, bei einer arroganten französischen Oberschicht-Freundin zu punkten, indem er die Wohnung eines Hausbewohners für die seiner Eltern ausgibt, in der er doch nur Blumen gießen sollte, und die eigenen Eltern ihrer stereotypen »Portugiesen«-Berufe wegen vorsorglich verleugnet.

Maria und José, sie sind die Arbeiter als solche, ausgebeutet von Jobs und ihrer Herkunft wegen. Zuhause winken Landbesitz und ein gesichertes Einkommen ohne soziale Makel. Aber ist es noch die Heimat? Und werden Maria und José sich ohne Schinderei überhaupt noch wie Maria und José fühlen?

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