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Konny die Erste von Teltow-Fläming

Kornelia Wehlan (LINKE) gewinnt Landratswahl

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.
Weil die erforderliche Mindeststimmenzahl nicht zustande gekommen war, wurde Direktwahlsiegerin Kornelia Wehlan (LINKE) im Frühjahr nicht zur Landrätin im Speckgürtel südlich der Bundeshauptstadt. Nun siegte sie überraschend im Kreistag - obwohl sich dort CDU und SPD abgesprochen hatten.

Der Sender rbb verkündete am Mittwochabend für ein paar Minuten, der SPD-Mann Andreas Fredrich sei neuer Landrat im brandenburgischen Kreis Teltow-Fläming geworden. Vielleicht dachte da jemand, dass wohl der rot-schwarze Wunschkandidat das Rennen machen würde, wenn sich SPD und CDU vorher einig sind. Weit gefehlt: Mit knapper Mehrheit war tatsächlich Kornelia Wehlan (LINKE) zur Landrätin gewählt worden.

Das hat nicht nur den rbb überrascht - sondern auch Kornelia Wehlan selbst. »Was soll ich sagen, die Entscheidung schien festgezurrt«, sagte sie am Dienstag in der Landtagsfraktion, deren stellvertretende Vorsitzende sie ist. Doch es müsse in allen Kreisfraktionen Bewegung gegeben haben. Wehlan nahm im Landtag gestern Glückwünsche entgegen. In die Freude der Fraktionskollegen mischte sich auch das Bedauern, eine kompetente Fraktionsvizechefin zu verlieren.

»Wir sind Landrätin«, verkündete der Fraktionsvorsitzende Christian Görke stolz. Nicht allein, dass Wehlan die erste Landrätin der Linkspartei in Brandenburg wird. Sie ist die erste Frau überhaupt, die in Brandenburg eine solche Position besetzt. »Ich hätte damit nicht gerechnet«, gestand LINKE-Wirtschaftsminister Ralf Christoffers; Beharrlichkeit, Offenheit, Ehrlichkeit und Kompetenz zahlten sich aus. Für die LINKE bedeute dieser Sieg mehr Verankerung im Kommunalen - eine erhebliche politische Stärkung.

Bislang musste die oft nur »Konny« gerufene Politikerin als eine Art Landrätin der Herzen gelten. Die Direktwahl hatte sie im April klar gewonnen, war allerdings daran gescheitert, dass sie bei geringer Wahlbeteiligung die erforderliche Mindeststimmenzahl verfehlt hatte. Darum musste die Entscheidung im Kreistag fallen. Weil sie sich als »Kandidatin der Wähler« betrachten konnte, war Wehlan auch bei dieser Wahl angetreten.

Im Kreistag aber hat die LINKE nur 14 Mandate, die SPD 16, die CDU neun, die FDP sieben und Grünen fünf. Dazu kommt eine unabhängige Fraktion mit drei Abgeordneten. Und da der SPD-Bewerber, der aus dem weit entfernten Senftenberg herbeigeholte Bürgermeister Andreas Fredrich, scheinbar auf CDU-Unterstützung zählen konnte, erschien er vor der Wahl im Kreistag als designierter Sieger.

Im ersten Wahlgang traten neuen Kandidaten an, von denen aber nur drei überhaupt Stimmen verbuchen konnten: Andreas Fredrich (SPD, 23 Stimmen), Kornelia Wehlan (LINKE, 17 Stimmen) und Hans-Peter Goetz (FDP, zwölf Stimmen). Weil niemand die erforderlichen 29 Stimmen erhielt, kam es zu einer Stichwahl zwischen Fredrich und Wehlan, bei der dann die einfache Mehrheit ausreichte. Hier unterlag Fredrich überraschend mit 25 zu 27.

Spricht diese spezielle Landratswahl nun für eine Erosion der bisherigen SPD-Allmacht in Brandenburg nach dem Rückzug des populären Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD)? Bei der Landratswahl in Teltow-Fläming herrschte einerseits eine besondere Situation, wenngleich dies allein den Erfolg Wehlans kaum erklärt. Der frühere Landrat Peer Gieseke (SPD) wurde wegen Untreue und Vorteilsnahme verurteilt und musste zurücktreten. Kurz vor der Direktwahl im Frühjahr wurde dann bekannt, dass zudem der SPD-Kandidat und Ludwigsfelder Bürgermeister Frank Gerhard unter Korruptionsverdacht stand, weil er auf Kosten eines Investors in die Schweiz gereist war. Das Amtsgericht Zossen erließ gegen Gerhard einen inzwischen rechtskräftigen Strafbefehl über 25 000 Euro.

Andererseits sind bei 14 Landkreisen und vier kreisfreien Städten nun nur noch sieben Landräte und zwei Oberbürgermeister Sozialdemokraten. In den 1990er Jahren beherrschte die SPD diese Ebene mit Ausnahme von Cottbus und Prignitz noch komplett.

Die 52-jährige Wehlan hat in Cottbus Pflanzenproduktion studiert und dann bei einer LPG in Hennickendorf gearbeitet. Von 1987 bis 1989 war die Agraringenieurin in der SED-Kreisleitung Luckenwalde tätig. Mit ihrer Biografie sei sie immer offen umgegangen, unterstrich sie. »Jeder weiß, dass sie nicht erst 1989 beginnt.«

Als Landrätin will Wehlan nun »fachliche Kompetenz und Führungsqualitäten beweisen« und ihre Erfahrung für ihre Heimatregion nutzbar machen.

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