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Nachhaltig durch Musik?

Markus Bruggaier ist Hornist und Vorstand der Stiftung Naturton

nd: Am Freitag geben Mitglieder der Staatskapelle ein Benefizkonzert in Kooperation mit der Genossenschaft BürgerEnergie Berlin, die Vattenfall das Stromnetz abnehmen will. Hätten Sie etwas gegen die Schlagzeile: Staatskapelle Berlin spielt auf gegen Vattenfall?
Bruggaier: Ja. Wir positionieren uns nicht gegen ein Unternehmen oder politische Parteien, sondern wir greifen ein gesellschaftliches Thema auf, das wir künstlerisch verarbeiten.

Aber die Genossenschaft wirbt damit, dass die Staatskapelle für sie spielt. Das ist doch eine Positionierung im aktuellen Streit ums Berliner Stromnetz, oder?
Letztendlich schon. Die Musiker finden den Ansatz interessant, eine private Energiegenossenschaft mit einem kommunalen Stadtwerk zu verbinden. Sie stehen auch hinter dem Energietisch und seinem Volksbegehren. Uns geht es hier um den gesellschaftlichen Diskurs. Vattenfall hat viel Geld und kann sich gut in der Öffentlichkeit darstellen. Wir wollen nicht, dass das Geld da entscheidend ist und geben deshalb der Genossenschaft ein Forum. Aber wir sind nicht gegen Vattenfall, sondern für eine nachhaltige Energieversorgung.

Beim Konzert wird es auch den Vortrag eines Klimaforschers geben. Wie kam es dazu?
Professor Hans Joachim Schellnhuber war zur Zeit des Klimagipfels in Kopenhagen 2009 sehr präsent und sucht Möglichkeiten, das Thema wachzuhalten. Er ist der Meinung, dass er da mit der Kunst zusammenarbeiten sollte. Wir sind an ihn herangetreten, und er hat das begeistert aufgegriffen. Wir bauen jetzt wissenschaftliche Vorträge als Musikstücke in ein musikalisches Programm ein. Das ganze wird von Beleuchtern inszeniert. Es ist eine sehr ungewöhnliche - und ich glaube auch: neue - Art und Weise, Musik an die Hörer zu bringen.

Gespielt werden sowohl Werke von Bach als auch Musik unserer Tage. Motto: Musik wird nachhaltig. Was ist damit gemeint?
Die Frage ist: Was ist Nachhaltigkeit im kulturellen Sinne? Da geht es um langfristige Werte, die auch nach Jahrhunderten noch eine Rolle spielen. Heute begreifen wir Kultur oft als Wegwerfkultur, etwa wenn wir Dinge machen, die morgen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Das ist zum Beispiel bei der Musik von Johann Sebastian Bach anders, weil wir von ihr immer noch begeistert sind.

Das Konzert findet in der Sternwarte auf dem Potsdamer Telegrafenberg statt. Warum dort?
Wir suchen immer neue Orte. In diesem Fall passt der Ort zum Vortrag eines Wissenschaftlers. Da steht das viertgrößte Linsenteleskop der Welt, ein historisches Instrument. Das wird von Beleuchtern inszeniert, auch die ganze gusseiserne Architektur. Der Vorsitzende des Fördervereins Großer Refraktor hat nach den Proben gesagt, er habe den Saal so noch nie gesehen.

Der Konzerterlös geht an die Stiftung Naturton. Wofür wird sie ihn verwenden?
Wir wollen den neu gegründeten Verein Ebenholz unterstützen, dessen Ziel die nachhaltige Bewirtschaftung von Hölzern ist, die zum Instrumentenbau verwendet werden. Da wird erst mal ein hundert Hektar großes Gebiet auf Madagaskar gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung renaturiert. Das ist ein denaturierter Wald, wo die wertvollen Hölzer größtenteils rausgeholt wurden.

Interview: Ralf Hutter

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