Verfall an der Riviera

Zukunft der Ausflugslokale in Grünau immer noch ungewiss

Das Gelände an der Regattastraße 161 bis 167 im Treptow-Köpenicker Ortsteil Grünau bietet einen traurigen Anblick. Hier, wo einst die berühmten Ausflugsgaststätten und Vergnügungslokale Riviera und Gesellschaftshaus tausende Besucher aus Berlin und Umgebung anzogen, macht sich Verfall breit. Die 1890 (Riviera) und 1897/98 (Gesellschaftshaus) errichteten Gebäude, die sich auch zu DDR-Zeiten noch großer Beliebtheit erfreuten, stehen seit Anfang der 1990er Jahre leer. Sie sind seither von Wildwuchs überwuchert und Vandalismus schutzlos ausgeliefert.

Das sollte sich ändern, so hoffte man wenigstens in Grünau, als 2006 Investoren aus der Türkei das Gelände samt Gebäuden von der TLG Immobilien erwarben. Doch seitdem hat sich nichts getan. Der zunehmende Verfall rief die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks auf den Plan. Deren Chef, Christian Breer, will sicherstellen, dass die denkmalgeschützten Teile der Gebäude erhalten bleiben, und hat ein entsprechendes Sicherungsverfahren auf den Weg gebracht. Dagegen legten die Besitzer der Immobilie Widerspruch ein. Sie wollen freie Hand für Wohnungsbaupläne oder einen Hotelneubau haben, wie er ursprünglich einmal angedacht war.

Rainer Hölmer (SPD), Bezirksstadtrat für Bauen, Stadtentwicklung und Umwelt, betont, dass das Sicherungsverfahren weiter geführt wird. Gegenüber »nd« sagte er: »Wenn sich von Seiten der Besitzer in dieser Frage nichts tut, wird der Bezirk die notwendigen Maßnahmen ergreifen und sie dann dem Besitzer in Rechnung stellen.« Man sei von Seiten der Denkmalschutzbehörde zu Kompromissen bereit, doch das habe seine Grenzen. Für den Bezirksstadtrat geht es nicht vordringlich um die Frage Wohnungsbau oder Hotel: »Es geht darum, eine Lösung zu finden, die wirtschaftlich tragfähig ist.« Das soll ausgelotet werden, denn schließlich wolle der Investor auch Geld mit seiner Immobilie verdienen.

Das sieht man in dem Treptow-Köpenicker Ortsteil etwas anders. Mechthild Schulze vom Ortsverein Grünau betonte gegenüber dieser Zeitung, das Wichtigste sei, das umstrittene Areal für die Allgemeinheit zu erhalten. »Wir wollen kein Wohnen für Privilegierte, sondern eine Nutzung für Jedermann.« Das Filetstück von Grünau müsse wieder ein Anziehungspunkt für alle Berliner werden, wo die Besucher, wie früher, am Ufer der Dahme Kaffee trinken könnten, wo Ausflugsdampfer anlegen, wo man sich amüsiert. »Es geht um den guten Ruf Grünaus, um die Infrastruktur des Ortes, die nicht einfach Profitinteressen geopfert werden darf.« Der Ortsverein und mit ihm die meisten Grünauer plädieren deshalb für die Hotellösung und sind auch bereit, sich dafür einzusetzen. Wie Rainer Hölmer mitteilte, gehen die Gespräche über die Zukunft von Riviera und Gesellschaftshaus weiter - Ausgang ungewiss.

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