Tarifflucht statt Tarifvertrag

Kölner Medienkonzern DuMont schickt Onlineredakteure in Tochterunternehmen

Erstmals denken die Verleger darüber nach, auch Onlineredakteure an Tageszeitungen in den Tarifvertrag aufzunehmen. DuMonts Politik ist Ausdruck der Ideenlosigkeit gegenüber dem Medienwandel.

Der Kölner Medienkonzern M. DuMont Schauburg begeht mitten in den Tarifverhandlungen für Tageszeitungsredakteure Tarifflucht. Er will Onlinejournalisten in Köln und an anderen Standorten in eine nicht tarifgebundene Tochterfirma auslagern. Die Nachricht platzt mitten in die laufende Tarifrunde zwischen Verlegern und Journalistenvertretern, in der die Arbeitgeber erstmals die Bereitschaft signalisiert haben, Onlinejournalisten in die Tarifverhandlungen aufzunehmen.

Nach Angaben der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di sollen in Köln rund 15 Onlinemitarbeiter des »Kölner Stadt-Anzeigers« und des Boulevardblatts »Express« in die Tochter DuMont Net ausgelagert werden. Der Verlag bestätigt dies, will mit Hinweis auf noch nicht abgeschlossene Planungen und ausstehende Beratungen mit den Gremien aber keine Zahlen nennen. »Die angestrebte neue Struktur ist Voraussetzung, um unsere Digitalprodukte effektiver steuern zu können«, begründet Verlagssprecher Wolfgang Brüser die Auslagerung.

Das Internet hat zu großen Umbrüchen in der Zeitungsbranche geführt. Die Verleger haben noch immer keine Strategie gefunden, wie sie mit Angeboten im Netz Geld verdienen. Ähnlich hilflos stehen die Gewerkschaften vor den Veränderungen der Medienstruktur. Obwohl die Zahl der auch oder ausschließlich für Online tätigen Journalisten seit vielen Jahren steigt, gibt es für sie keine tarifvertraglichen Regeln. Das soll sich jetzt ändern. Der dju zufolge haben die Verleger in den seit Juli laufenden Tarifverhandlungen signalisiert, dass sie die Onliner in den Tarifvertrag für Tageszeitungsredakteure einbeziehen wollen.

Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - hat der Verlag M. DuMont Schauburg jetzt am Standort Köln bekannt gegeben, dass die Onlineproduktion für den »Kölner Stadt-Anzeiger« und den »Express« in Zukunft nicht mehr durch die Redaktionen der Zeitungen selbst erfolgen wird. Stattdessen sollen die digitalen Inhalte von der tarifungebundenen Tochter DuMont Net produziert werden. Gewerkschafter sind empört. »Festangestellte, Pauschalisten und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen nun ausbaden, dass es dem Management jahrelang nicht gelungen ist, überzeugende Geschäftsmodelle für das Onlinegeschäft zu entwickeln«, kritisiert die Kölner ver.di-Vorsitzende Heidrun Abel.

Der Konzern gibt sich generös. »Sollten fest angestellte Kollegen zur DuMont Net wechseln, sollen sie natürlich nicht schlechter gestellt werden«, sagt Brüser. Freie Mitarbeiter werden mit der Aussicht auf ein festes Beschäftigungsverhältnis gelockt. Ver.di fürchtet, dass tarifgebundene Beschäftigte schnell vom Tarifvertrag abgehängt werden. So war es auch bei der Auslagerung der IT in die tariflose Tochter DuMont Schauberg Systems.

Onlinejournalisten an anderen Standorten von DuMont steht ähnliches wie den Kölner Kollegen bevor. In dem Verlag erscheinen auch die »Berliner Zeitung«, die »Mitteldeutsche Zeitung« und die »Kölnische Rundschau« sowie die Boulevardblätter »Hamburger Morgenpost« und »Berliner Kurier«. »Es ist geplant, dass Mitarbeiter übergehen, die Planung hierfür ist noch nicht abgeschlossen«, sagt Brüser.

Hintergrund ist das Projekt »Schwarze Null«, mit dem der Verlag im Digitalgeschäft 2014 ein ausgeglichenes Ergebnis und ab 2015 einen Gewinn erwirtschaften will. Er wird ab 2014 bei drei Titeln für bestimmte Inhalte im Internet eine Bezahlschranke einrichten, bei welchen, steht angeblich noch nicht fest. »Zentralisieren, mobilisieren, kassieren« beschreibt der Branchendienst kress die Strategie. Dazu wird nach Informationen von kress die Zahl der Mitarbeiter von DuMont Net von jetzt 35 auf 70 aufgestockt - vermutlich tariflos, versteht sich. Die Verhandlungen für die 14 000 Print- und rund 3000 Onlineredakteure gehen am 9. Oktober in die dritte Runde.

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