Werbung

Tiranas neuer Premier will in die EU

Edi Rama verspricht weniger Armut und Arbeitslosigkeit sowie mehr Demokratie in Albanien

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Der Sozialist Edi Rama ist in der Vorwoche als neuer Premier Albaniens vereidigt worden. Der ehemalige Künstler und Sportler will nun sein Land in die EU führen.

Die erste Reise im neuen Amt führte Albaniens neuen Regierungschef dieser Tage gleich zum anvisierten Ziel. Sein Land werde »hart arbeiten«, damit die EU-Beitrittsverhandlungen eröffnet werden könnten, versprach Edi Rama nach seinem Antrittsbesuch bei EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in Brüssel. Er wisse, dass sich Albanien den ersehnten EU-Kandidatenstatus durch »Taten und nicht durch Absichtserklärungen« verdienen müsse. Die Rolle des bescheidenen Bittstellers ist dem selbstbewussten Chef der regierenden Sozialisten (PS) eigentlich nicht auf den Leib geschrieben. Denn sein eigenes Licht stellt der 49-jährige nur selten unter den Scheffel: Mit dem hoch gewachsenen Künstler hat nun eine der schillerndsten politischen Figuren im krisengeschüttelten Reich der Skipetaren die Regierungsgeschäfte übernommen.

Zu realsozialistischen Zeiten studierte der Bildhauer-Sohn in Tirana Kunst, machte sich in den 80er Jahren aber vor allem als Basketballnationalspieler einen Namen. Wie andere Akademiker-Söhne aus gutem Haus engagierte sich auch Rama erst nach dem Ende des albanischen »Kommunismus« Anfang der 90er Jahre kurzzeitig in der Demokratiebewegung, wo er sich jedoch bald mit seinem späteren Dauerkontrahenten Sali Berisha überwarf.

Nach seiner Scheidung emigrierte er 1994 nach Paris. Als dem Exilbohemien 1998 der Posten des Kulturministers angeboten wurde, kehrte Rama in seine Heimat zurück. Bei den Bürgermeisterwahlen in Tirana trat er zwei Jahre später für die Sozialisten an. Elf Jahre lang sollte er die Hauptstadt regieren - und mit dieser Machtbasis seine Stellung in der von ihm seit 2005 geführten PS nachhaltig festigen. Der Abriss illegaler Bauten und die bunte Bemalung trister Plattenbauten bescherten ihm 2004 den Titel »Weltbürgermeister des Jahres«. Doch hinter den verschönten Fassaden huldigte auch der Liebhaber offener Hemdkragen Albaniens klassischer Klientel-Politik: Kritiker werfen dem Krawattenhasser vor, so wie sein konservativer Erzrivale Berisha stets die Interessen der hinter ihm stehenden Oligarchen zu wahren.

Sowohl bei den knapp verlorenen Parlamentswahlen 2009 als auch beim Verlust seiner Rathausbastion 2011 warf er Berishas demokratischer Partei (PD) massive Manipulationen vor. Die von ihm organisierten Dauerproteste seiner Partei paralysierten zwar monatelang das Land, verpufften aber letztlich wirkungslos. Erst bei der Parlamentswahl im Juni dieses Jahres bescherten ihm nicht zuletzt die hohe Arbeitslosigkeit und wachsende Unzufriedenheit mit Berisha einen regelrechten Erdrutschsieg.

Die Erneuerung seines Landes und 300 000 neue Arbeitsplätze hatte der bisherige Oppositionschef im Wahlkampf versprochen - und muss sich im neuen Amt nun an seinen eigenen Vorgaben messen lassen. Gleich sechs Frauen hat der Sozialist in sein relativ junges Kabinett berufen. Politisch gilt der einstige Mannschaftssportler allerdings nicht als Teamspieler. Widerspruch kann der bisher innerparteilich eher autoritär auftretende und zur Arroganz neigende Rama nur schwer ertragen.

Neben dem Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit hat Edi Rama dennoch die »Demokratisierung« Albaniens zum wichtigsten Ziel seiner Regierung erklärt. Ob dem selbstverliebten Solist als Premier der Sprung über den eigenen Charakterschatten gelingt, muss sich allerdings ernst noch zeigen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen