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Hurensöhne, voll schwul

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Seit mein älterer Sohn in die Grundschule in Berlin-Wedding geht, bin ich vielleicht ein bisschen übersensibilisiert, was seinen Sprachgebrauch angeht. Man liest ja immer so schlimme Sachen. Jedenfalls horchte ich doch interessiert auf, als ich aus dem Innenhof von einer lieblichen Kleinkinderstimme die zarten Worte erklingen hörte: »Isch krieg disch gleich, du Hurensohn!« War es womöglich an der Zeit, mäßigend einzugreifen? Meine beiden Söhne spielten dort mit Erem, einem siebenjährigen Innenhof-Anrainer mit arabischem Migrationshintergrund, und seine Wortwahl ließ mich daran zweifeln, wie erzieherisch wertvoll sich die Beziehung der drei gerade entwickelte.

Ich trat also auf den Innenhof, wo die drei gerade so etwas wie Weltraumcowboys und Klon-Indianer spielten, und schaltete mich ein: »Erem, weißt du eigentlich, was du da gerade gesagt hast?« Er sah mich irritiert an. »Wie? Isch krieg disch?« »Nein, das andere.« »Darth Maul?«, fragte er, »kennstu Darth Maul nischt? Ist voll der coole Star-Wars-Kämpfer.« »Der heißt Darth Vader.« »Nein, der heißt Darth Maul. Darth Vader war gestern, heute ist Darth Maul!« Er zeigte mir stolz seine Star-Wars-Klonkrieger-Sammelkarte, darauf ein Finsterling, der fraglos als Darth Maul beschriftet war. Na gut. »Nein, ich meine Hurensohn.« »Nein, der heißt Darth Maul, nicht Hurensohn.«

»Nein, du hast gerade Hurensohn gesagt. Weißt du eigentlich, was das bedeutet?« Er sah mich wieder verständnislos an. »Ja, klar. Hurensohn eben.« »Ja, und was bedeutet das Wort?« »Na ja«, er ruderte etwas hilflos mit den Armen, »kennstu nicht? Kennstu Hurensohn nicht? Also, ist so wie, wie, Schwächling eben! Du Schwächling! Du Hurensohn! So was!«

»Aha. Jetzt hör mir mal zu, mein Guter«, hob ich zu einem didaktisch wertvollen Vortrag an, »weißt du, was Sex ist?« Er starrte mich mit großen Augen angstvoll an. Das Wort hatte er offenbar schon mal gehört, er fürchtete sich: »Ey, wir haben doch nur Klonkrieger gespielt, musst du doch nicht gleich mit Sex ankommen!« »Weißt du, wenn ein Mann und eine Frau zusammen ins Bett gehen und sich dann so küssen und so ...«

Nacktes Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben: »Küssen? Du meinst, wenn Männer und Frauen so richtig rumknutschen? Ih, hör auf damit, das ist doch voll schwul!« Ich seufzte. Vielleicht sollte man die Wortwahl von Siebenjährigen auch nicht allzu sehr auf die Goldwaage legen.

Vignette: Sarah Liebigt

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