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Planet der Alten

Menschheit ergraut zusehends

Die UNO verbindet große Probleme gern mit festen Daten. So machte sie den 1. Dezember zum Weltaidstag und den 16. Oktober zum Welthungertag. Den heutigen 1. Oktober haben die Vereinten Nationen zum Weltaltentag erklärt. Bereits am 27. September hat der UN-Menschenrechtsrat beschlossen, demnächst einen Sonderberichterstatter für alte Menschen zu berufen. Die Alterung der Bevölkerung ist längst nicht mehr nur auf die alten Industrienationen beschränkt. Auch die Gesellschaften aufstrebender Staaten wie China stehen vor ähnlichen Problemen. 2050 werden im Reich der Mitte etwa 490 Millionen Menschen über 60 Jahre alt sein. Das entspräche einem Anteil von mehr als einem Drittel. Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme: Wie die »Zeit« unter Berufung auf chinesische Demografen berichtet, werde die Zahl von Menschen im arbeitsfähigen Alter ab 2015 jedes Jahr um drei Millionen Personen sinken. In gleichem Maße wächst die Zahl der Rentner.

Das UN-Bevölkerungsprogramm UNFPA und die Organisation HelpAge International veröffentlichten im vergangenen Jahr einen aufrüttelnden Bericht. Demnach werden im Jahr 2050 mehr als 22 Prozent der Weltbevölkerung älter als 60 Jahre sein. Das sind rund zwei Milliarden Menschen. Aus demografischer Sicht erreicht die Menschheit bereits in den nächsten zehn Jahren einen Wendepunkt: Erstmals in ihrer Geschichte werde es dann mehr Alte über 60 als Kinder unter 15 geben, heißt es in dem UN-Bericht »Altern im 21. Jahrhundert«. Derzeit sind 810 Millionen Menschen 60 Jahre oder älter. Deutschland ist hier der allgemeinen Entwicklung weit voraus: Bereits 2010 waren von knapp 81,8 Millionen Einwohnern mehr als 20 Millionen älter als 60.

Die Organisation HelpAge, die auch den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen berät, fordert eine UN-Konvention für ältere Menschen. Sie soll Schutz vor Diskriminierungen bieten und die sozialen Dimensionen des Alterns verdeutlichen. So erhalten nicht einmal 20 Prozent der alten Menschen in den Entwicklungsländern ein regelmäßiges Einkommen. »Alter ist gleichbedeutend mit Armut«, so der Geschäftsführer von HelpAge, Michael Bünte. Soziale Basisrenten könnten laut Bünte »ein zentrales Element« sein, um im Rahmen der international vereinbarten Millenniumsziele bis zum Jahr 2015 eine Verringerung der Armut um 50 Prozent zu erreichen.

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