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»Das Angebot in Kuba hat sich verbessert«

René Rico López über den Wandel in der Landwirtschaft, neue Anreize für Bauern und die US-Blockade

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René Rico López ist Präsident der Kubanischen Tierzuchtvereinigung ACPA in der östlichen Provinz Guantánamo. Er koordiniert zudem ein Projekt zur Milchproduktion, das von der deutschen Solidaritätsorganisation Cuba Sí finanziert wird. Über die Lage der kubanischen Landwirtschaft sprach mit René Rico López für das »nd« Harald Neuber.

nd: Herr Rico López, Präsident Raúl Castro hat unlängst in einer Rede vor dem Parlament in Havanna weitere Reformen in der Landwirtschaft gefordert. Dabei unterliegt die Agrarproduktion Kubas seit Jahren einem Wandel. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie?
López: Wir bei ACPA, einer landwirtschaftlichen Organisation, sehen diese Reformen positiv. Vor allem weil brachliegende Flächen an Leute gegeben wurden, die bereit sind, das Land zu bearbeiten. Dazu wurden nicht Pachtverträge über wenige Jahre geschlossen, sondern für bis zu 25 Jahre.

Solche Initiativen gab es in der Vergangenheit aber auch schon. Was ist neu?
Neu ist, dass mit dem Pächter eine Hauptnutzung vereinbart wird. Das kann ein bestimmtes Produkt sein oder auch Viehzucht. So können die zuständigen Behörden das Angebot kontrollieren. Zugleich können die neuen Landwirte aber einen Teil des Landes nach eigenem Ermessen bewirtschaften. Das hat zwei Vorteile: Zum einen ist die Ernährung der beteiligten Familien abgesichert. Zum anderen wird so eine breite Palette von Agrarprodukten für den lokalen Markt hergestellt. Neu ist aber auch, dass die Pächter auf dem bewirtschafteten Land ein eigenes Wohnhaus errichten können, was ein großer Anreiz ist. Und schließlich wurden einige Richtlinien zur nachhaltigen Landwirtschaft und Umweltschutz erlassen, beides hat in Kuba zunehmende Bedeutung. All diese Dinge sind im Dezember vergangenen Jahres im Dekret 300 festgelegt worden.

Und was konnte durch diese neuen Bedingungen bislang erreicht werden?
Auf den lokalen und regionalen Agrarmärkten gibt es ein besseres Angebot. Das betrifft vor allem Milch und Eier, aber auch Fleisch von Schwein, Rind und Kaninchen.

Lässt sich das schon in Statistiken erfassen?
Ich habe keine statistischen Zahlen. Aber ich sehe ja, dass das Angebot besser ist. Eben auch bei landestypischen Gemüsesorten wie Maniok, Süßkartoffeln, Yuca und Kochbananen. Natürlich gibt es auch regionale Unterschiede bei der Entwicklung. Im Osten Kubas haben wir mehr fruchtbares Flachland und daher mehr agrarwirtschaftliche Produktion. Aber die zuständigen staatlichen Stellen setzen viel daran, eine landesweit einheitliche Entwicklung zu garantieren.

Werden von Staat denn eher Familienunternehmen oder Genossenschaften gefördert?
Es gibt in der Landwirtschaft auch viele genossenschaftliche Betriebe. Das ist vergleichbar mit solchen Unternehmensformen, die nun viel im Bau- und Transportwesen entstehen. Der Staat erhofft sich dadurch auch höhere Steuereinkünfte.

Inwiefern können landwirtschaftliche Kooperativen das Problem der ungenügenden Produktion beheben?
Genossenschaftliche Betriebe in der kubanischen Landwirtschaft sind kein neues Phänomen. Unmittelbar nach der Revolution 1959 sind die sogenannten Kooperativen für agrarwirtschaftliche Produktion entstanden, die CPAs. Nach dem Wegfall der sozialistischen Handelspartner 1990 hatten solche Kooperativen vor allem den Zweck, die knappen Ressourcen effektiv zu nutzen. In den neunziger Jahren dann entstanden die UBPCs, die »Basiseinheiten der Kooperativenproduktion«. Sie sollten in erster Linie brachliegendes staatliches Land wieder zu bewirtschaften, indem den Kooperativen ein Teil des Umsatzes zugestanden wurde. Alle diese Produktionsformen waren in ihrer jeweiligen Zeit erfolgreich.

Weshalb muss Kuba dann rund 80 Prozent der Nahrungsmittel importieren?
Die hohe Importrate wird sich in dem Maße verringern, in dem mehr produziert wird. Sie müssen sich vergegenwärtigen, dass auch der Landwirtschaft vor der Krise der kubanischen Wirtschaft 1990 viele Ressourcen zur Verfügung standen und die Versorgung der Bevölkerung in einem weitaus höheren Maße garantiert war. Der Mangel an Treibstoff oder Ersatzteilen für Maschinen nach 1990 hat natürlich auch die Landwirtschaft hart getroffen. Die US-Blockade tat ihr übriges. Wenn sie die für die kubanische Küche wichtigen schwarzen Bohnen anbauen, ist ein Bewässerungssystem wichtig. Dieses System muss aber mit Pumpen betrieben werden. Wenn Sie also unter normalen Bedingungen auf einer bestimmen Fläche zwei Tonnen Bohnen produzieren können, werden Sie ohne ausreichende Bewässerung bestenfalls noch eine halbe Tonne Ertrag haben. Solche Probleme haben uns nach 1990 ständig verfolgt und wirken bis heute nach.

In westlichen Medien ist immer wieder zu lesen, dass die laufenden Reformen in Kuba daher auf eine Restauration des kapitalistischen Systems hinauslaufen. Ist das das Ziel?
Niemand in Kuba will die Rückkehr des Kapitalismus. Vor allem nicht diejenigen, die Kuba vor der Revolution kannten. Damals herrschte gerade auf dem Land ein unbeschreibliches Elend. Es gab keine Bildung, kein Gesundheitssystem, noch nicht einmal die grundlegendsten Impfungen für Kinder. Deswegen ist für uns die Rückkehr zum Kapitalismus undenkbar. Wir setzen uns für Verbesserungen innerhalb des Sozialismus ein, ja. Das bedeutet in der Landwirtschaft aber in erster Linie auch, dass wir tagtäglich gegen die Folgen der US-Blockade kämpfen. Das sozialistische System aber werden wir um jeden Preis verteidigen.

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