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Finaleinzug nach Familienkrach

Fabian Hambüchen greift bei den Turnweltmeisterschaften in Antwerpen dreimal nach Medaillen

  • Von Frank Thomas, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
In Antwerpen kann Fabian Hambüchen die nacholympischen Saison krönen. Bei der Turn-WM zog er in drei Finals ein. Begleitet wird er an seinem Spezialgerät Reck überraschend von Andreas Bretschneider. Der Nobody beeindruckte die Konkurrenz.

Als einige Rivalen noch um Plätze in den Endkämpfen stritten, bereitete sich Fabian Hambüchen am Dienstag in der Trainingshalle von Antwerpen schon gezielt auf seine anstehenden Medaillenübungen vor. Schon am ersten Tag der Qualifikation hatte der Turnstar bei seinen siebten Weltmeisterschaften ein solches Polster zwischen sich und die Konkurrenz um die Finalplätze gebracht, dass er ganz beruhigt die nächsten Aufgaben in Angriff nehmen konnte. »Es ist gut, dass wir diesmal einen Tag mehr bis zum Mehrkampffinale haben. Dann kann man noch mal die Emotionen runterfahren und sich neu konzentrieren«, meinte der 25 Jahre alte Ex-Weltmeister.

Tags zuvor hatte er mit seiner Reckübung die wenigen hundert Schüler im eigentlich 15 000 Zuschauer fassenden Sportpaleis verzückt. 15,633 Punkte nach perfekter, wenn auch in der Schwierigkeit noch abgespeckter Übung bedeuteten in der Endabrechnung Rang zwei. Nur der im Mehrkampf wahrscheinlich wieder unschlagbare Kohei Uchimura aus Japan erhielt noch 25 Hundertstel mehr für seine bestechende Haltung am Königsgerät.

Nun will Hambüchen nach Gold 2007 und Bronze 2010 seine dritte WM-Medaille am Reck nach Hause bringen. »Mit meiner Übung mit der Schwierigkeit 7,4 bin ich gut dabei. Wenn ich die durchbringe, ist die Medaille drin«, sagte Hambüchen. Erfreulicherweise ist er im Finale am Sonntag nicht Deutschlands Alleinunterhalter: Er wird überraschend von Andreas Bretschneider begleitet. Der Nobody aus Chemnitz zog als Sechster ins Endkampffeld mit den vielen großen Namen ein. Zwar scheiterte Doppeleuropameister Emin Garibow aus Russland, doch vor allem Olympiasieger Epke Zonderland aus den Niederlanden hat einige Extras seiner überragenden Flugschau im Vorkampf noch nicht gezeigt.

Für Hambüchen steht nun zunächst das Mehrkampffinale am Donnerstag im Fokus. »Ich will in die Top Acht, um künftig wieder im Weltcup dabei zu sein. Natürlich liebäugele ich auch ein bisschen mit einer Medaille. Aber Uchimura ist unschlagbar«, sagte er. Als Siebter der Qualifikation beginnt der Hesse mit seinem Zittergerät Seitpferd. »Das ist gut, denn sonst fehlen ihm direkt nach der kräftezehrenden Bodenübung oft ein paar Körner«, meinte Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen, der sich auch über den unerwarteten Einzug seines Sprösslings ins Bodenfinale am Samstag freute. Im Vorkampf landete Hambüchen mit 15,266 Punkten auf Platz vier.

Zwischen Vater und Sohn hatte es zu Saisonbeginn heftige Auseinandersetzungen über den weiteren Kurs gegeben. In einem Interview gestand Sohn Fabian nun sogar, nach den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr ein Karriereende ins Auge gefasst zu haben. »Ich habe das nie so kommuniziert, aber eigentlich wollte ich nach London meine Karriere beenden.« Seine starke Leistung bei Olympia aber änderte das.

Hambüchen nahm sein Studium Sportmanagement und Kommunikation an der Sporthochschule auf, verließ dazu seinen Heimatort Wetzlar und zog nach Köln. Der Umbruch blieb nicht ohne Folgen. »Es kam der Punkt, an dem mein Vater und ich uns richtig gefetzt haben und wir schauen mussten: Was will ich? Was will er? Will ich überhaupt noch auf diesem hohen Level turnen?«, gab Hambüchen zu. Nach zwei Tagen des Grübelns entschied er: »Ich will bis Olympia 2016 in Rio noch einmal voll durchziehen.«

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