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Nur noch fairen Filterkaffee

Der Bezirk Mitte will bald zum Kreis der weltweit über 1000 Fairtrade Towns gehören

Alles hat mal angefangen mit einer Handvoll junger Christen. Mit Hungermärschen haben sie Anfang der 70er Jahre gegen die deutsche Entwicklungspolitik und für fair hergestellte Produkte demonstriert. Seitdem ist so einiges passiert: Zu den ersten fair gehandelten Alpaca Socken haben sich mittlerweile Blumen mit Fairtrade Siegel beim Discounter gesellt und auch in Berlins Amtsstuben hat man die Zeichen der Zeit nun erkannt. Neben Charlottenburg-Wilmersdorf will jetzt auch Mitte »Fairtrade Town« werden, eine Kampagne, die von dem Verein TransFair organisiert wird.

Bereits vor gut einem Jahr hatte die Bezirksverordnetenversammlung Mitte (BVV) beschlossen, eine Bewerbung um den Titel anzugehen. Inzwischen hat sich eine sogenannte Steuerungsgruppe aus Einzelhändlern und Bezirksangestellten gegründet, die alle Vorhaben koordinieren soll. Denn die Kriterien für den Titel sind recht streng und eine Steuerungsgruppe Grundvoraussetzung.

Wer Fairtrade Town werden will, fängt am besten bei sich selbst an, und so beschloss die BVV, dass es künftig bei allen Sitzungen, Ausschüssen oder im Bürgermeisterbüro nur noch fair gehandelten Kaffee geben wird, alternativ dazu entweder Tee, Orangensaft, Zucker oder Kekse. Auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen oder Kirchen soll es bald gerechter zugehen. »Es hat zwar eine Weile gedauert, bis wir wirklich loslegen konnten, aber ich bin guter Dinge«, sagt Bezirksstadtrat Stephan von Dassel (Grüne). In seinem Büro seien Fair Trade Produkte schon länger Standard, wirft er noch hinterher. Der Bezirkshaushalt könnte das Projekt trotz schwieriger finanzieller Lage stemmen, außerdem gibt es Gelder von der EU.

Zum letzten Frauentag hatte es bereits erste zaghafte Bemühung gegeben. Mitglieder der »Fairtrade Town Berlin Mitte«-Initiative verteilten 100 fair gehandelte Rosen an Bezirksamtsmitarbeiterinnen im Rathaus Wedding. Die Rosen, so wurde versichert, kämen aus zertifizierten Blumenfarmen in Ostafrika und Lateinamerika. In Zukunft sollen auch die Geburtstagsblumensträuße, die das Bezirksamt an Senioren ab einem Alter von 85 Jahren verteilt, nur noch mit Fairtrade Siegel verschenkt werden.

Der Trend ist da: 2012 wurden in ganz Deutschland Fairtrade-Artikel für 533 Millionen Euro verkauft. Aber bisher gelten die Produkte immer noch als ein Nischenmarkt, auch wenn die jährlichen Wachstumsraten bei bis zu 30 Prozent liegen. In England beispielsweise hat fair gehandelter Kaffee einen Marktanteil von 20 Prozent, in Deutschland sind es nur knapp zwei.

Sollte das Thema aber für mehr Menschen interessant und der Umsatz angekurbelt werden, ist das Projekt auf die Hilfe des Einzelhandels angewiesen. Ein Kriterium der Initiative verlangt daher, dass nach der Einwohnerzahl des Bezirks eine bestimmte Anzahl an Geschäften mindestens zwei Fairtrade Produkte führen muss. Für Mitte wären dass etwa 26 Gastronomiebetriebe und knapp 50 Einzelhändler. »Das ist in diesem Bezirk aber leicht zu schaffen«, sagt Ciska Jansen, die die Bewerbung von Mitte maßgeblich mit angestoßen hat. Die Köchin organisiert seit Jahren interkulturelle Kochkurse und organisiert Workshops an Schulen, in denen vor allem mit fairen Produkten gekocht wird. Sie hat schlussendlich auch Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) für die Idee, von der sie aus dem Internet erfuhr, begeistern können.

Neben Mitte hat inzwischen auch Pankow seine Ambitionen angekündigt. Dort beschloss die BVV am 5. Juni einen entsprechenden Antrag. Ab sechs Bezirken könnte ganz Berlin den Status bekommen.

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