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Döbeln: Hunderte gegen Neonazis auf der Straße

Protest in Sachsen will nach dem Elbe-Hochwasser nun »die braune Soße« abwehren / Blockadeaktionen auf Route der Neonazis

Döbeln (Agenturen/nd). Im sächsischen Döbeln haben am Samstag nach Angaben der Initiatoren rund 500 Menschen gegen einen geplanten Aufmarsch von Neonazis protestiert. Die Aktionen auf Initiative des Bündnisses »Döbeln ist bunt« begannen bereits am Vormittag mit einem Programm auf dem Obermarkt unter Mitwirkung des Döbelner Theaters. Auf einer Kundgebung kamen unter anderem Vertreter der evangelischen Kirche sowie aus Politik und Gesellschaft zu Wort. Im Aufruf des Bündnisses hieß es, Döbeln werde nach dem überstandenen Hochwasser nunmehr »die braune Flut abwehren«.

Am Nachmittag liefen weitere Protestaktionen. Daran waren etwa 200 Menschen beteiligt. Die Polizei war laut Meldungen über den Kurznachrichtendienst Twitter mehrfach bemüht, den Neonazis die Marschroute freizuhalten, die Beamten gingen dabei offenbar auch gegen Blockaden der Aufmarsch-Route vor. Die daran beteiligten Antifaschisten hatten in einem Aktionskonsens formuliert, man leiste »Widerstand gegen den Naziaufmarsch«, davon gehe aber »keine Eskalation aus«. Man zeige sich zudem »solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, den Naziaufmarsch zu verhindern«. Offenbar kam es seitens der Polizei auch zu Übergriffen, auf Twitter war von einem »brutalen Polizeieinsatz« die Rede.

Die NPD-Nachwuchsorganisation JN habe für ihre Kundgebung etwa 200 Neonazis aktiviert, sagte Henning Homann vom Döbelner Bürgerbündnis dem Evangelischen Pressedienst (epd). Hintergrund für den Aufmarsch ist das Verbot der Gruppierung »Nationale Sozialisten Döbeln« (NSD) durch Innenminister Markus Ulbig (CDU) im Februar 2013. Die JN versuche, die sächsische Kreisstadt in der rechten Szene als Symbol für ihren Kampf zu stilisieren, kritisierte das Bündnis.

Die Neonazis haben ihren Aufmarsch unter das Motto »Der Drang nach Freiheit – Gegen Repression und Polizeiwillkür« gestellt. Dem widerspreche das Bürgerbündnis »deutlich«, heißt es: »Unsere Demokratie ist nicht willkürlich, aber wehrhaft. Wir sehen nicht weg, wenn Fakten verdreht und rechte Propaganda auf die Straßen Döbelns getragen werden soll«, wird in dem Aufruf zum Protest gegen die Neonazis formuliert. »Wir sind bunt und stehen zusammen, wenn die braune Soße durch Döbelns Straßen läuft.«

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