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Sergej A. Below / 23.1.1944 - 3.10.2013

Jahre später sollte Sergej Below einmal von einem »Geschenk Gottes« sprechen, in Wahrheit war es er selbst, der im Herbst 1972 mit seinen Händen Sportgeschichte schrieb: Die Sowjetunion war damals kurz vor Ende des olympischen Basketball-Finales von München mit 49:50 in Rückstand gegen die USA geraten. Es folgten eine Auszeit und ein Fehlwurf der UdSSR - die US-Spieler feierten schon den Sieg. Doch die Schiedsrichter gaben der sowjetischen Mannschaft eine zweite Chance - weil die Spieluhr zuvor nicht zurückgestellt worden war. Langer Einwurf über das ganze Feld unter den Korb der USA, Below überspringt seinen Gegenspieler und trifft in letzter Sekunde: 51:50 für die Sowjetunion. Die US-Mannschaft protestierte später erfolglos und blieb der Siegerehrung fern. Below aber wurde zur Legende des Basketballs: mehr als ein Dutzend Medaillen bei internationalen Turnieren, Träger des »FIBA Order of Merit« und »Verdienter Arbeiter auf dem Gebiet des Sports«. Zum Abschluss seiner Karriere entzündete Below 1980 die olympische Flamme in Moskau und feierte später als Trainer Erfolge. In der vergangenen Woche ist der 1991 als »bester europäischer Spieler aller Zeiten« ausgezeichnete Basketballer im russischen Perm gestorben. tos

Philip Chevron / 17.6.1957 - 8.10.2013

Als die Pogues ihre beste Zeit hatten, kannte man noch keinen »Moshpit«. Denn wenn alle wild durcheinander tanzen und niemand außen steht, gibt es solche Formationen nicht. Die irische Folkpunkband drückte in den 80er Jahren das Lebensgefühl all jener aus, die die Welt so sinnlos und hässlich fanden wie die anderen Punks, aber dies beim Saufen und Tanzen auch mal vergessen wollten. Keiner dieser Versuche endete, ohne melancholisch zu klingen, egal wie flott der Rhythmus sein mochte.

Vermutlich waren die Gebissruinen von Sänger Shane MacGowan bekannter als das Gesicht von Philip Chevron. Der Punk der ersten Stunde und Mitgründer der Band The Radiators from Space machte 1984 eigentlich nur als Vertretung bei den Pogues mit - und blieb. Er spielte Gitarre, Mandoline und Banjo, sang und textete so wundervolle Zeilen wie diese: »Then we raised a glass to JFK / And a dozen more besides / When I got back to my empty room / I suppose I must have cried«.

»Die Stadt Dublin und die Welt sind soeben ein bisschen kleiner geworden«, schreiben die Pogues auf ihrer Website. »Er war einzigartig. Wir werden ihn schrecklich vermissen.« rst

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