Von Tomas Morgenstern
Brandenburg

Sanierung im alten Lazarett in Hohenlychen

Mindestens 11 700 Hektar einstiger Militärflächen müssen noch für eine zivilen Nutzung fit gemacht werden

In Brandenburg ging der Konversionssommer 2013 zu Ende - er erzählt eine der wichtigsten Erfolgsgeschichten des Landes.

Mit einer guten Bilanz endet in diesen Tagen der Brandenburger Konversionssommer 2013. Im Verlauf der bereits zum 16. Mal durchgeführten Aktion gelang es erneut, Fortschritte und Probleme bei der Umnutzung alter militärischer Liegenschaften für friedliche Zwecke in den Blick zu rücken. Unter dem Motto »Konversion aus Verantwortung für Mensch und Natur« hatten die Veranstalter seit Mai zu zahlreichen Veranstaltungen geladen, beispielsweise in Fürstenwalde, Jüterbog, Finowfurt oder Beelitz. Schirmherr war Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (LINKE). Auf einer Abschlussveranstaltung wurde am Montag zugleich ein Ausblick auf die Neuausrichtung der Konversion gegeben. Diese Neuausrichtung geschieht angesichts knapper werdender EU-Fördermittel.

Kasernen, Truppenübungsplätze und Militärflugplätze prägen das Erscheinungsbild vieler Städte und ganzer Landschaften. Rund acht Prozent Brandenburgs wurden einst militärisch genutzt. Spätestens mit dem Abzug der russischen Truppen Anfang der 1990er-Jahre wurde der größte Teil dieser Anlagen aufgegeben. 1994 übergab der Bund dem Land Brandenburg eine Erbmasse von rund 100 000 Hektar. Darauf befand sich wertvolle historischer Bausubstanz. Es gab aber auch marode Kasernen, Depots und Werkstätten, munitionsbelastete Übungsplatze, mit Treibstoffen und Chemikalien verseuchten Flugfelder. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurden bislang etwa 93 Prozent dieser Flächen saniert.

Schwerpunkte der jetzt auslaufenden »Konversionsförderung 2007 bis 2013« waren der Schutz der Umwelt und die Verbesserung der wirtschaftlichen Infrastruktur. Dafür standen rund 21 Millionen Euro von der EU zur Verfügung. »Durch Konversion sind in Brandenburg unter anderem Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien, Technologie-, Gründer- und Behördenzentren sowie Hochschulen, Wohnraum und zivile Heilstätten entstanden. Ebenso Natur- und Landschaftsschutzgebiete mit munitionsberäumten Wegen zum Wandern und Rad fahren. Bedrohungen der Umwelt als Folge militärischer Hinterlassenschaften wurden beseitigt, viel wurde bei der Sanierung von Boden und Grundwasser sowie beim Abriss maroder Militärbauten erreicht«, so lautet das Fazit des Wirtschaftsministeriums.

Dennoch bleibt noch viel zu tun. Übrig sind vor allem schwere Fälle mit großen Altlasten. Hinzu kommt, dass das Land in jüngster Vergangenheit vom Bund weitere riesengroße Areale übernommen hat. So gilt es, die friedliche Nutzung des alten Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide zu gestalten. Und nachdem der Bund den ehemaligen Militärflugplatz Sperenberg als Alternativstandort für den Berliner Großflughafen endgültig aufgegeben hat, wurde 2012 dieser Flugplatz samt des einstigen Schießplatzes Kummersdorf-Gut durch das Land übernommen. Es handelt sich um zusammen 3400 Hektar. Neue Anforderungen ergeben sich aus der Schließung von Standorten im Rahmen der Bundeswehrreform.

Nach Schätzungen der in Wünsdorf ansässigen Brandenburgischen Boden Gesellschaft (BBG) werden noch weitere 48 Millionen Euro für Sanierung und Rückbau von einstigen Liegenschaften der sowjetischen Streitkräfte benötigt. Wie BBG-Geschäftsführerin Andrea Magdeburg erklärte, ist das Bundesland dabei weiter auf Förderung durch die EU angewiesen. »Im Jahre 2013 haben wir für die Altlastensanierung insgesamt etwa 3,5 Millionen Euro ausgegeben. Im Gegenzug haben wir EU-Fördermittel von ungefähr 400 000 Euro eingenommen«, sagte Magdeburg. Sanierungsarbeiten laufen derzeit beispielsweise in Bernau, Werneuchen, Priort und Jüterbog. »Wir gehen davon aus, dass wir bis 2015 drei Sanierungen abschließen werden. Das betrifft das ehemalige Lazarett in Hohenlychen, das Tanklager Oranienburg und den Flugplatz Neuruppin.«

Als zunehmend schwieriger erweist sich nach Magdeburgs Einschätzung die Vermarktung der restlichen 11 700 Hektar. Dies liege zum Teil an der Lage der Objekte, an dem großen Umfang der nicht nachnutzbaren Bausubstanz, aber auch an Auflagen des Denkmalsschutzes, an Umweltrisiken sowie Restriktionen durch Naturschutzbestimmungen und Planungsrecht.

In der kommenden Förderperiode 2014 bis 2020 werden sich die EU-Mittel für Brandenburg etwa halbieren, rechnet Vera Viering vom Wirtschaftsministerium. Es gehe deshalb darum, die Fördermittel zu konzentrieren.

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