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Die Befreiung der Scham

Kleiner Versuch über die Pornographie

  • Von Franz Schandl
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Pornographie ist besser als ihr Ruf, vor allem besser als die herrschende sexuelle Tristesse, allerdings ist und bleibt sie Surrogat, also Ersatz für das stets Versäumte, das auch dort nur simuliert werden kann. Aber es wird zumindest angesprochen, nicht einfach verdrängt oder gar verboten. In der Pornographie äußert sich das Versäumte voyeurisierend und masturbierend, aber nicht (oder äußerst selten) koitierend. Pornographie entledigt sich der Anstrengungen des Vögelns, gerade weil es virtuell um nichts anderes geht. Pornographie ist keine Begegnung zwischen Menschen, sondern eine zwischen Menschen und Artefakten.

»Es ist falsch, die Differenz von Pornographie und Erotik als Wesensunterschied zu interpretieren«, sagt der österreichische Kunstwissenschaftler Peter Gorsen. Pornographie nimmt die sexuellen Mängel wahr und lindert sie auf ihre Weise. Pornographie ist der bürgerliche Abort unbefriedigter Geilheit. »Pornographie, s...


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