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Tiere und Kinder, lautet ein Lehrsatz der Publikumsakquise, gehen immer. Mittlerweile aber muss man ihn etwas erweitern: Kinder in Not und Untiere gehen nämlich viel besser. Was erklärt, warum das ZDF vorige Woche die Eltern der entführten Maddie zu »Aktenzeichen XY« einlud. Ergebnis waren – nein, keinerlei Aufklärung – aber 7,26 Millionen Zuschauer einer Sendung, deren einziger Daseinszweck die Verbreitung von Furcht zu Quotenzwecken ist. Bei Johannes B. Kerner ist es dagegen eher Belanglosigkeit.

Sie erinnern sich? Das war mal ein beliebter Sportreporter, Talkhost und Showmaster. Nach vier verlorenen Jahren bei einem Kanal, der uns grad entfallen ist, kehrte er nun jedoch ins ZDF zurück und zeigte bei einer Donnerstagssause, deren Titel wir ebenfalls vergessen haben, warum er in einem Alter, wo all die Rosenthals und Kulenkampffs erst richtig begonnen haben, schon bedeutungslos ist.

Langweiliger, banaler, billiger als das, was JBK im Zweiten wegmoderiert, kann Fernsehen kaum sein. Da kann man ja gleich RTL gucken, das ab heute wieder für magenkranke Melkschemelschnitzer aus Malzow die passende Bäuerin sucht. Das ist in seiner Debilität nicht zu überbieten, suggeriert aber wenigstens keine einzige Sendesekunde, etwas anderes als Unterhaltung für Unterhaltungsresistente zu machen. Parallel dazu könnte sich das ZDF ein Scheibchen Wurst vom schönen Schweinehirten aus Schwäbisch-Hall abschneiden.

Stattdessen glaubt Veronica Ferres, sie hätte ihr Portfolio erweitert, weil sie in ihrer Rolle als »Lena Fauch« ein Mal keine Kinder aus den Fängen von Entführern/Scheidungsvätern/Bombenkesseln holt. Ein Grund mehr, auf Arte zu schalten, wo Nicolas Roegs »Wenn die Gondeln Trauer« tragen trotz des Alters von 40 Jahren in jeder einzelnen Sendesekunde moderner wirkt als alle mit der Ferres zusammen.
Ähnliches gilt fürs Staffelfinale von »Weissensee«, morgen im Ersten, das 2014 weitergeht, ab nächster Woche aber erst mal durch »Familie Dr. Kleist« ersetzt wird. Verglichen damit gerät die 23. Staffel von »Cobra 11« ab Donnerstag zu gehaltvollem Fernsehen.

Oder »SOKO Leipzig«, das tags drauf zwar erst in die 13. Staffel geht, dafür aber mit Achim Menzel als Polizeitechniker andeutet, wie wenig Güte für gute Gagen genügt. Oder jene Sülze, die uns das Erste unterm tiefgründigen Titel »Liebe am Fjord« am Abend als Melodram vorsetzt, wo Hannelore Elser eine Dreiecksbeziehung so staksig verkörpert, dass man flugs zurück zu Arte zappt, wo Senta Berger in »Unter Verdacht« beweist: Alter schützt doch nicht vor Niveau.

Der Kulturkanal glänzt aber auch diese Woche noch weit mehr mit Sachfilmen. Die grandiose Doku »Akte Zarah Leander« etwa, wo der NS-Star Mittwoch um 22.20 Uhr im Stile japanischer Anime seziert wird. Zeit-Geschichte als Comic, wie sie ZDFkultur schon zwei Stunden früher und den ganzen Abend zelebriert – so was dürfen sich auch die Muttersender gern mal trauen. Doch die trauen sich nur solide Tatorte wie den aus Bayern am Sonntag. Immerhin. Bleibt der Tipp der Woche, diesmal Dienstag (20.15 Uhr), wo RTL Nitro mit »Blair Witch Project« den einzigen Film zeigt, dessen deutsche Übersetzung besser ist als das Original.

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