Vom Recht auf Schmähgesänge

In Italiens Fußballstadien werden Beleidigungen der Gegner bestraft, der Protest dagegen eint auch verfeindete Fans

  • Von Tom Mustroph, Mailand
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Fußballitalien breitet sich auf ein heißes Wochenende vor. Fast im ganzen Land kämpft die Fanszene gegen den Staat, den Verband und die eigenen Klubs.

Mailand, Piazza Axum. Direkt an der Außenseite der Südkurve des mächtig aufragenden Giuseppe-Meazza-Stadions bereiten sich die Fans des AC Mailand auf das Serie A-Spiel gegen Udinese Calcio vor. Die Stimmung wirkt entspannt. Ein paar Männer essen Pizza. Ein schmächtiger Kerl holt Bier für seine etwas breiter gebauten Kumpel. Ein vierschrötiger Mann mit rasiertem Schädel, dessen Gesicht wie ein Archiv der handgreiflichen Auseinandersetzungen der letzten zwei Jahrzehnte anmutet, begrüßt einzelne Neuankömmlinge mit Handschlag. Wenige Worte werden gewechselt, die harmlose Begrüßungen sein können, aber auch Kommandos. Hier trifft sich der harte Kern aus dem Ultra-Block - der Curva Sud.

Und der versteht die Welt gerade nicht mehr. Die Ultras werden von Adriano Galliani, dem Vizepräsidenten des AC Mailand, als Bedrohung angesehen. Denn ihre Sprechchöre ziehen inzwischen empfindliche Sanktionen nach sich. Geldstrafen in sechsstelliger...


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