Good-bye, Ann

Zur Erinnerung an die Bewegungsaktivistin Ann Stafford, die nach schwerer Krankheit verstarb

Was soll das hier?

Sei auch du solidarisch und unterstütze linken Journalismus mit einem freiwilligem Abo, einer Spende - oder noch besser entscheide dich für ein Digitalabo.

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...

Es ist fast unglaublich, wie viele Menschen Ann Stafford kannten. Unermüdlich war sie dabei, Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Gruppen herzustellen. Es gab wenige Demos, auf denen sie nicht anzutreffen war.

Und ihre Beteiligung an den Kämpfen beschränkte sich nicht auf Berlin. Vor allem der weltweite Widerstand gegen die Ausbeutung war ihr wichtig. Peoples’ Global Action war ein Projekt, auf das sie große Hoffnungen setzte. Sie war bei den Aktionen gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos dabei, und kaum eines der großen Protestereignisse gegen die G8-Gipfel hat sie ausgelassen. Prag, Genua, Evian – von überall konnte sie berichten. Sie tat dies in den Gruppen, in denen sie mitarbeitete, aber auch in Artikeln für »neues deutschland«, »junge Welt«, die Schweizer »WoZ« und andere. Eine Zeit lang arbeitete sie für das Internationalismus-Referat des ReferentInnenrates der Humboldt-Universität.

Der Internationalismus wurde ihr in die Wiege gelegt: Ihr Vater John kam aus Irland zum Arbeiten nach England und heiratete dort Sue. 1966 wurde Ann in Leicester geboren. Ihre ersten zwei Jahre lebte sie in England und in Irland. Ihr Vater fand eine besser bezahlte Stelle in der Schweiz und die Familie zog nach Zürich. Nach dem Abitur in Basel war sie in der dortigen Student_innenbewegung aktiv. Bald schon wurde sie in den Studentenrat der Baseler Universität gewählt. Sie war Mitherausgeberin einer Studentenzeitung, dem »Kolibri«.

1989 zog es sie nach Berlin, mitten im »Vereinigungstaumel«. Mit vielen anderen warnte sie vor dem wieder aufkommenden deutschen Größenwahn. Zu jener Zeit lernten wir sie kennen. Der Internationalismus war damals in einer Krise. Ann sah wie andere den Ausweg in einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit von unten. 1995 reiste sie zur Weltfrauenkonferenz nach Peking. Mit der Transsib – denn sie hatte Angst vorm Fliegen. Es folgten Reisen nach Kuba, nach Tansania, wo sie beim Aufbau einer Schule half, und zu verschiedenen Weltsozialforen in Brasilien, Indien und Kenia.

In den vergangenen Jahren war sie vom Occupy-Virus infiziert. Die Proteste in Tunesien, Ägypten, die spanischen Indignados, Occupy Wall Street, die Blockupy-Bewegung in Frankfurt am Main standen im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Sie strahlte das Feuer aus, das diese Bewegungen entzündeten. Dabei war sie nicht gesund. Sie litt seit längerem. Im Januar dann die niederschmetternde Diagnose: Krebs, unheilbar.

Sie kämpfte, sie war lange noch nicht am Ende. Ende Mai fuhr sie nach Frankfurt am Main zu den Blockupy-Aktionstagen. Wie immer half sie bei Übersetzungen. Noch vor vier Wochen flog sie nach Amsterdam zu einer Tagung, auf der über Strategien europaweiter Widerstandsformen beraten wurde. Damals war sie schon am Ende ihrer Kräfte. Am 23. Oktober starb Ann am Krebs und den Folgen der Chemotherapie.

Es gibt Menschen, die kämpfen einen Tag, und sie sind gut.
Es gibt andere, die kämpfen ein Jahr und sind besser.
Es gibt Menschen, die kämpfen viele Jahre und sind sehr gut.
Aber es gibt Menschen, die kämpfen ihr Leben lang:
Das sind die Unersetzlichen.

Bertolt Brecht

Beisetzung und Trauerfeier finden am Samstag, dem 9. November, um 11 Uhr auf dem Matthäus-Friedhof in Berlin-Schöneberg statt.

Werbung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Jetzt aber schnell!

Schenken was wirklich Freude macht. Für diejenigen, die schon alles haben, oder auf kapitalistischen Überfluss verzichten wollen.

Jetzt bestellen oder verschenken