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Lebenslang für sechs türkische Journalisten

Europäischer Journalistenverband spricht von »Schande für türkische Justiz«

Berlin. Die frühere Moderatorin und Chefredakteurin des prokurdischen Rundfunksenders Özgür Radyo (Freies Radio) in Istanbul, Füsun Erdoğan, und fünf weitere Journalisten sind zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Dies teilte der Vorsitzende der Türkischen Journalistengewerkschaft (TGS) Ercan Ipekçi am Dienstag in einem Rundschreiben mit. Füsun Erdoğan, die eine türkisch-niederländische Doppelstaatsbürgerschaft hat, wurde im September 2006 mit der Beschuldigung verhaftet, »Leiterin einer terroristischen Vereinigung« zu sein.

Der Prozess gegen sie zog sich über sechs Jahre hin. Die Anklage gegen sie stützte sich im wesentlichen auf einen nur als Computerausdruck vorliegenden Text, in dem über illegale Geheimtreffen berichtet werde. Für die Urheberschaft des Textes gibt es keine Beweise, die verurteilte Journalistin bestreitet sie.

Die Journalistenunion TGS hatte gerade vor einer Woche eine neue Kampagne »Wir warten auf Gerechtigkeit« gestartet, mit der sie die Freilassung von Füsun Erdoğan und ihren Kollegen forderte. Der Präsident des Europäischen Journalistenverbands EFJ, Mogens Blicher Bjerregård, nannte die Urteile eine »Schande für das türkische Justizwesen«. Auch die Generalsekretärin der Internationalen Journalistenföderation (IFJ), Beth Costa, protestierte scharf gegen das Urteil und bezeichnete es als »fehlgeleitet durch politischen Einfluss«.

Die Namen der übrigen fünf Verurteilten wurden in der Pressemitteilung der IFJ mit Ziya Ulusoy, Bayram Namaz, Arif Çelebi , Ibrahim Cicek und Sedat Şenoğlu angegeben. Laut unterschiedlichen Zahlen internationaler Organisationen – darunter die OSZE und das International Press Institute in Wien – sind zwischen 50 und 100 Journalisten in der Türkei wegen ihrer oppositionellen Haltung inhaftiert. nd-jrs

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