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Bulgariens Regierung »okkupiert« Sport

Große Anziehungskraft für die Minister liegt im großen Geld Von Peter Botschukow, Sofia

So etwas gibt es sicherlich selbst in einem afrikanischen Staat nicht. Die bulgarische Regierung okkupiert eine Sportföderation nach der anderen. Im Gegensatz zur »Weltpraxis«, dass der Staat nicht an der Verwaltung des Sportes teilnimmt, wächst der Sport in Bulgarien - so wie in jedem totalitären Staat - mit der regierenden Partei und dem Staat zusammen. Die »Invasion« der Politiker in die Föderationen begann unerwartet. Ihr ging eine Programmäußerung von Ministerpräsident Iwan Kostow im letzten Herbst voraus. »Was ist schlecht daran, wenn meine Minister den Sport unterstützen“ erklärte er. «Besonders wenn das nicht ihrer Diensttätigkeit schadet. Um so mehr, da die Sportföderationen sich in einen Schlupfwinkel für verbrecherische Gruppen und verdächtige Elemente verwandelt haben.»

Den Worten des Premiers folgten sofort Taten. Zuerst übernahm Innenminister Bogomil Bonew die Führung des Pferdesportes, danach Agrarminister Wentzeslaw Warbanow den Ski-Sport und der Minister für Staatliche Verwaltung, Mario Tagarinski, die Leichtathletik.

Die «Okkupation» dieser Sportverbände durch die Minister war nur der Anfang einer längst vorbereiteten groß angelegten Aktion zum Auswechseln der Verbandsleitungen. Präsidentenberater Krasimir Angarski steht schon das zweite Jahr dem Tennis vor, der Vizevorsitzende der Demokratischen Partei, Abgeordnete und ehemalige Minister Alexander Pramatarski den Handballern und Ex-Industrieminister Rumen Bikow den Basketballern. Der Bürgermeister von Sofia, Stefan Sofijanski, kandidierte für den Posten des Footballchefs, doch er konnte sich gegen den Chef des Footballverbandes und Vor sitzenden des Bulgarischen Olympischen Komitees, Iwan Slawkow, nicht durchsetzen. Heute sind die Föderationen wie z.B. die der Ringer, Badmintonspieler und Gymnasten, die von anerkannten Persönlichkeiten und Experten in diesen Sportarten, die auch über genügend Autorität verfügen, in der Minderheit.

Der Austausch der Sportexperten durch Minister ist um so paradoxer, da bekannt ist, dass das sowieso «dünne» Staatsbudget lediglich symbolische Geldsummen für die Entwicklung der Körperkultur und des Sportes abzweigt. Offensichtlich steckt die große Anziehungskraft des Sportes für die Regierenden im großen Geld. In Bulgarien existiert eine gewaltige Sportbasis, die jahrzehntelang aufgebaut wurde und noch in gutem Zustand ist. Ihre Privatisierung steht bevor. Und sie wird den zukünftigen Eigentümern ohne Zweifel solide Einkünfte von den Pachten von Stadien, Sälen und Schwimmbecken einbringen. Der Sport wird sicher nichts durch die Minister-Invasion gewinnen, doch die Minister sicher vom Sport.

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