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  • Politik
  • Akademie der Künste: Ernst Busch zum 100

Erinnerung und Gegenwart

  • Von Liesel Markowski
  • Lesedauer: 3 Min.

Lass Deine Gedanken nicht müde werden!» war die Erinnerungsveranstaltung zum 100. Geburtstag von Ernst Busch überschrieben. Eingeladen hatten zu diesem «lebhaften» Glück wünsch ganz im Sinne des Jubilars die Akademie der Künste Berlin-Brandenburg und die Berliner Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch».

Viele - Junge wie Alte - waren gekommen und füllten die Reihen im großen Studiosaal des Hauses am Berliner Hanseatenweg. Im Programm ergänzten sich Rückblick und Gegenwart in dialektischem Wechsel: die Erfahrungen der Älteren und die Bemühungen der Jungen mit und um E. B., den Sänger, den Schauspieler, den im Kampf Erprobten.

Gisela May, Diseuse und Schauspielerin, war als aktive Zeitzeugin singend und im Gespräch mit Klaus Völker, dem Rektor der Berliner Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch», zu erleben. Studenten gaben Beispiele praktischer Aneignung des Erbes ihres Namenspatrons, von dem in Originaleinspielungen u. a. «Linker Marsch», «Anmut sparet nicht noch Mühe» und «Anna Luise» zu hören waren. So verband sich auf schöne Weise für das Publikum die Möglichkeit des Kennenler nens und der Wiederbegegnung. Eine kleine Dokumenten-Ausstellung im Foyer bietet darüber hinaus Gelegenheit zu ver tiefender Beschäftigung mit Leben und wirken des Schauspielers und Sängers.

Der engagierte Vortrag von Rektor Völker über Biographie und widersprüchlichen Werdegang des Künstlers ließ spüren, dass an seinem Institut Name nicht Schall und Rauch, sondern Verpflichtung ist. Schließlich hat man sich dort in Wendezeiten erfolgreich gegen Bemühungen gewehrt, Buschs Namen aus dem der Schauspielschule zu tilgen. Heute versteht man Ernst Busch an der nach ihm benannten Einrichtung im Sinne Hanns Eislers als «modernen Renaissance-Menschen», und das ist Programm für eine eigene intensive Praxis. Die Gesänge der jungen Studenten der Hochschule sprachen dafür. Mit emotional motiviertem und gedanklich präzisem Vortrag von Liedern aus «Schweyk im zweiten Weltkrieg» (Eisler/Brecht), dem «Kaukasischen Kreidekreis» und «Mutter Courage und ihre Kinder» (Dessau/Brecht) sowie «Der Silfbersee» (Weill/Keiser) konnten Constanze Becker, Stefan Kaminski und Markus Meyer nicht nur Versuche einer Annäherung an die historische Tradition, sondern auch hoffnungsvolles Eigenes zeigen. Uwe Lohse hat dabei als musikalischer Leiter (und am Klavier) offenbar fordernd und ermutigend gewirkt.

Dass die jungen Leute sich im Umkreis von erstklassigen Interpretationen - den Busch-Einspielungen und den Darbietungen Gisela Mays - zu bewähren hatten, macht ihre Mühe um so schätzenswerter. Gisela May, nach wie vor von starker Ausstrahlung und angenehmer Stimmfülle, merkte das im Gespräch freundlich an. Ihre Liedbeiträge (am Klavier begleitet von Lohse), in sich faszinierend wandelnder Gestik, haben an menschlicher Tiefe weiter gewonnen: In Brechts «Seeräuber Jenny» und der «Ballade vom Nigger Jim», bei Tucholskys «Feldfrüchte» und «In Weißensee» (alle Weill und Eisler) fasste sie eine Vielfalt von Stimmungen in zum Teil geradezu bedrängende Aktualität. Ihre persönlichen Erinnerungen an Ernst Busch, locker erzählt und mit manch hübscher Anekdote gespickt, wur den zum unterhaltsamen I-Punkt des mit viel Beifall bedachten Geburtstagsabends.

Der Dank für diese Begegnung mit Ernst Busch gilt vor allem der rührigen Schauspielschule. Befremdlich allerdings, war um die Akademie der Künste die Ehrung eines ihrer prominentesten früheren Mitglieder allein den fleißigen Mitarbeitern ihrer «Stiftung Archiv» überantwortete, sich keines ihrer Gremien oder Mitglieder fand, Ernst Busch öffentlich zu ehren.

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