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Optimismus statt Strategie

Jenoptik Technologiefirma wird Beteiligungsgesellschaft Von Peter Liebers, Jena

Lange vor der für 18. April angekündigten Bilanzpressekonferenz von Jenoptik verbreitet Konzernchef Lothar Späth Zahienoptimismus: Der Jahresüber schuss der Jenoptik AG habe 1999 um rund 40 Prozent über dem Vorjahreswert von 43,3 Millionen Mark gelegen - nach vorläufigen Berechnungen.

Erreicht worden sei das gute Ergebnis durch die Beseitigung aller Verlustquellen, so Späth am Montag dieser Woche. Dazu gehörte der Verkauf der Jenaer Infap an den amerikanischen Halbleiter-Ausrüster Brooks, der dadurch zum Systemahbieter von Anlagen zur Chip- Produktion wurde, während Jenoptik einen weiteren Technologiebereich verlor. Auch die gesamte Telekomsparte des Konzerns wurde in Gestalt der Krone AG an einen US-Konzern verscherbelt, der sich damit ähnlich wie Brooks einen beträchtlichen Gewinnzuwachs verspricht.

Aus dem Krone-Verkaufsollen rund 280 Millionen Mark in die Jenoptik-Kasse geflossen sein. Bei der Veräußerung der Infap sicherte sich Jenoptik mit der Über nähme eines Aktienpakets eine langfristige Beteiligung an Brooks. Seitdem habe sich der Aktienwert verdoppelt, freute sich Späth. Inzwischen hat die Jenoptik auch acht Prozent der eigenen Aktien zurück gekauft. Angesichts des aktuellen Kurses habe man «munter zugegriffen», betonte Späth und bewertete diese Papiere als «gute Akquisitionswährung». Von aktuellen Bestrebungen ist allerdings keine Rede. Einen Vorteil des Rückkaufes sieht der Jenoptik-Chef auch darin, dass für die im Eigenbesitz befindlichen Papiere keine Dividende gezahlt werden muss.

Dass Späth jetzt mit seinem euphorischen Vorbericht zur Konzernbilanz des Vorjahres an die Öffentlichkeit trat, nachdem er sich Monate lang in Schweigen gehüllt hatte, ist offenbar der Unruhe an der Börse geschuldet. Der Aktienkurs war nach den Umstrukturierungsankündigungen im Sommer auf knapp 20 Euro gestiegen, zu Jahresbeginn dümpelte er zeitweilig mit Werten um 15 Euro erneut unter dem Ausgabekurs von 17,38 Euro. Inzwischen liegt er wieder bei 19 Euro. Analysten, die im Sommer noch einen Kurs von 30 Euro für möglich hielten, hegen dennoch Zweifel daran, dass die der zeitige Struktur zukunftsträchtig ist, und vermissen nach Abschluss der Umstruk turierung eine klare strategische Ausrichtung des Konzerns.

Die Zweifel haben einen realen Hinter grund. Verblieben der Jenoptik doch nur noch drei Sparten, von denen der Technologiebereich mit einem Vorjahresumsatz von 450 Millionen Mark nur eine Marginalie in der Konzernbilanz ist. Flaggschiff bleibt der als Generalauftragnehmer und großformatiger Hausmeisterdienst operierende Reinraumbereich M+W Zander (Stuttgart/Nürnberg), der 1999 rund 2 der insgesamt 2,7 Milliarden Mark des Konzernumsatzes lieferte. Der schillerndste Konzernteil ist die Deutsche Effecten- und Wechselbeteiligungsgesellschaft AG (DEWB), die im vorigen Jahr vor allem als Risikokapitalgeber agierte und drei Unternehmen an die Börse brachte. Die DEWB, zu 99 Prozent in Hand der Jenoptik, soll sich im kommenden Jahr dem Kapitalmarkt weiter öffnen.

Ein Blick auf die Konzernstruktur legt den Verdacht nahe, dass Späth den Gewinnzuwachs von 1999 vor allem durch die Firmenverkäufe erreicht hat. In Analystenkreisen tauchte deshalb schon die Frage auf, ob sich Jenoptik noch als Technologiekonzern versteht, wie Späth die AG gern apostrophiert, oder nun als Beteiligungsgesellschaft, wofür Vieles spricht. Der von ihm stolz verkündete Rekord bei den Auftragseingängen für dieses Jahr und die Ankündigung, dass 2000 der Jahresüberschuss erneut um 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen werde, gibt darauf keine Antwort. Nutznießer des von Späth ausgemachten rasanten Wachstums des Halbleitermarktes in Südostasien dürften die Technologieausrüster sein, zu denen Jenoptik längst nicht mehr gehört.

Ob sich die 20 Millionen Mark auszahlen, die in Jena in eine neue Fertigung für Hochleistungsoptiken investiert wurden, bleibt abzuwarten. Schließlich hat Jenoptik mit Zeiss einen potenteren Konkur renten gleich vor der Haustür. Über die Carl-Zeiss-Stiftung ist der Konkurrent außerdem mit Schott verflochten, bei dessen Jenaer Tochter schon neue Materialien für die Optiken der Zukunft entstehen. Profitieren will Späth auch von dem rasanten Wachstum der Laserindustrie. Auch hier sind Zweifel angebracht, ob er von dem auf künftig zehn Milliarden Mark geschätzten Weltumsatz ein nennenswertes Stück abbekommt; es gibt weit größere Konkurrenten. Höhenflüge erhofft Jenoptik bei Zulieferungen für den Eurofighter EF 2000, in deren Kapazitätsausbau in Wedel bei Hamburg sechs Millionen Mark investiert wurden.

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