Magdalena gegen Yaam

Stadt bekämpft Clubsterben mit Clubschließen

  • Von Marlene Göring
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine Galerie aus leeren Pizzakartons ziert das Büro des »Magdalena« - Überbleibsel der Taskforce, die sich hier getroffen hat. Ihr Ziel: Die Rettung des Nachtclubs an der Spree. Sein Mietvertrag läuft am 31. Januar 2014 aus, eine Verlängerung ist unwahrscheinlich.

Das Grundstück, auf dem das »Magdalena« seine Partys feiert, versprach der Bezirk letztes Jahr dem »Yaam«. Das Kulturzentrum nur 300 Meter flussaufwärts muss selbst den Standort räumen. Der Eigentümer, der Investor Urnova, möchte das Gelände so schnell wie möglich vermarkten. Auch wenn es für die geplanten Wohnungen des derzeitigen Interessenten noch gar keine Genehmigung gibt.

Dass der Vertrag nicht verlängert wird, fanden die »Magdalena«-Betreiber erst nach wochenlanger Recherche heraus. »Keiner hat mit uns gesprochen«, ärgert sich Marco Archidiacono, »Rettungsbeauftrager« des Clubs. Zwar wurde schon im Dezember 2012 die Rückübertragung des »Magdalena«-Geländes vom Liegenschaftsfonds an die Stadt beschlossen, um dem »Yaam« eine Zukunft zu geben. Für die Betreiber des »Magdalena« kommt der Umzug trotzdem plötzlich - durch Kommunikationsprobleme mit dem Vermieter. »Wir haben fest mit einer Verlängerung gerechnet«, sagt Archidiacono. Noch ist Ben de Biel, Pressesprecher der Piraten der Stadt, Hauptpächter beim Liegenschaftsfonds. De Biel hatte bis 2010 selbst dort das »Maria« geführt, den Club dann weitervermietet.

Allerdings ist die Rückübertragung noch nicht durch alle Instanzen, einige Fragen zwischen grünem Bezirk und schwarz-rotem Senat ungeklärt. Erst am 6. Dezember soll der Vermögensausschuss entscheiden. »Ich würde nicht darauf bauen, dass dieses Jahr noch was passiert«, meint Ralf Gehrlich, Pirat in Friedrichshain-Kreuzberg. Für das »Yaam« stünden die Chancen zwar besser. »Die Gefahr ist aber nicht gebannt, dass beide Clubs schließen müssen.« Nicht nur »Yaam« und »Magdalena«, sondern alle müssten geschlossener auftreten, die vom Kultursterben im Bezirk betroffenen sind. »Sonst wird sich politisch nichts bewegen.«

Das »Yaam« ist auf eine schnelle Rückübertragung angewiesen. »Ich rechne mit einer klaren Entscheidung noch dieses Jahr«, wertet Jan Lerch vom Vorstand des Kulturzentrums die politischen Signale. »Wir brauchen sie auch dringend.« Eine längere Frist durch Urnova schließt er aus. Schon der Termin Ende Januar, wenn das »Magdalena« frei werden soll, funktioniere nur mit stiller Duldung. »Dann müssen wir hier definitiv weg.«

Seit das »Magdalena« einen Aufruf an seine Fans geschickt hat, regnet es Mails von Unterstützern. »Wir brauchen schnell ein Alternativgrundstück«, sagt Archidiacono. Auf politischer Seite gebe es zwar Hilfsbereitschaft, aber keine konkreten Angebote. Zumindest ziehen »Yaam« und »Magdalena« jetzt an einem Strang: Bei der gestrigen Sondersitzung der Club Commission haben sie sich geeinigt, die vom »Magdalena« geplanten Aktionen wie Pressekonferenz und Plakatserie gemeinsam durchzuführen. »Es geht ja um mehr als uns«, meint Archidiacono. »Es geht darum, die Kiezkultur zu erhalten.«

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