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Wundertäter

Irakli Garibaschwili, Georgiens künftiger Premier, war die rechte Hand seines Vorgängers

  • Von Detlef D. Pries
  • Lesedauer: 2 Min.

Irakli Garibaschwili soll ab Sonntag, wenn er den Posten des Regierungschefs in Tbilissi offiziell übernimmt, Georgiens mächtigster Politiker sein. So sagt es zumindest die Verfassungsänderung, die mit der Amtseinführung des neuen Präsidenten Giorgi Margwelaschwili am 17. November in Kraft trat: Nicht mehr das Staatsoberhaupt, sondern der Ministerpräsident bestimmt die Richtlinien der georgischen Politik. Aber hält der 31-jährige Garibaschwili das Steuer wirklich in der Hand?

Er werde den Ratschlägen von »Batoni Bidsina« selbstverständlich folgen, versichert der künftige Premier. Bidsina Iwanischwili ist sein Vorgänger und Förderer, »Batoni« eine respektvolle Titulierung, etwa wie »Herr und Meister«. Tatsächlich hat Garibaschwili seine ganze bisherige berufliche Laufbahn in den Diensten des Milliardärs Iwanischwili verbracht. Gleich nach dem Studium der Internationalen Beziehungen in Tbilissi und Paris wurde er 2005 Direktor von dessen wohltätiger Stiftung Cartu und 2007 Mitglied im Aufsichtsrat der Cartu-Bank. Als Iwanischwili 2012 die Partei Georgischer Traum gründete und die autoritäre Herrschaft des damaligen Präsidenten Michail Saakaschwili anfocht, folgte ihm Garibaschwili in die Politik. Und nach dem Wahlsieg des Georgischen Traums im Oktober 2012 machte Iwanischwili ihn als jüngstes Mitglied seines Kabinetts zum Innenminister. Der ließ prompt hochrangige Saakaschwili-Getreue verhaften, darunter seinen Amtsvorgänger. Sie seien unter anderem für Entführungen, Morde und Folter in den Gefängnissen verantwortlich, begründete Garibaschwili sein Vorgehen, das im Westen misstrauisch verfolgt wurde. Iwanischwili dagegen lobte seinen Protegé: Der habe ein »Wunder« vollbracht, indem er Georgiens korrupte Polizei in eine von »europäischem Typ« verwandelt habe. Garibaschwili verdiene es deshalb, Premierminister zu werden. Der steinreiche Iwanischwili selbst will sich in die Zivilgesellschaft zurückziehen, denn das Schicksal des Landes dürfe nicht von einem einzigen Mann abhängen, sagt er. Fragt sich nur, ob Garibaschwili aus seinem Schatten treten kann.

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