Gewagtes Experiment

Martin Ling über die geplante Währungsunion in Ostafrika

Die Integration der Europäischen Union gilt vielen Staatenbündnissen in aller Welt als Vorbild. Aus guten Gründen: Nirgendwo sonst nimmt der intraregionale Handel solche Dimensionen an - rund zwei Drittel des Handelvolumens der EU-Staaten werden innerhalb der EU abgewickelt. Und offenbar kann nicht mal die aktuelle sogenannte Euro-Krise den Reiz des europäischen Integrationsmodells mindern - zumindest nicht in Ostafrika. Dort haben die Staats- und Regierungschefs von Burundi, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda sich geeinigt, auf Sicht eine Währungsunion bilden, um ihre Wirtschaft zu stärken und sich attraktiver für ausländische Investoren zu machen.

Im Prinzip ist der Weg, den die ostafrikanischen Staaten einschlagen, richtig. Mit der Zollunion ab 2014, sprich gemeinsame Außenzölle und keine Binnenzölle, könnte der schwache intraregionale Handel wichtige Impulse bekommen. Doch was weder die Zollunion und auch später keine gemeinsame Währung aushebeln kann, ist die strukturelle Schwäche einer Süd-Süd-Integration: Auch der Zusammenschluss von Schwachwährungsländern ergibt keine starke Währung. Alle fünf ostafrikanischen Länder haben aufgrund der Auslandsverschuldung ein hohes Interesse zu exportieren - und zwar gegen Devisen auf dem Weltmarkt - und ein geringes Interesse, dem Nachbarland Waren abzukaufen. An dieser Grundkonstellation kranken schon jetzt sämtliche afrikanischen Wirtschaftsgemeinschaften, weshalb dort der intraregionale Handel sich kaum entwickelt hat.

Um aus einer schwachen eine starke Währung zu machen, gibt es nur einen Weg: Anhaltende Leistungsbilanzüberschüsse. Wird dieser Weg von einem Land in einer Einheitswährung gegangen, folgt aber über kurz oder lang die Krise: Das zeigt die Euro-Zone. Ostafrika sollte gewarnt sein.

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