Dicht dran und ahnungslos

Zwickauer Polizist befragte 2006 Beate Zschäpe

Berlin. Ohne es zu bemerken, war Sachsens Polizei den drei untergetauchten mutmaßlichen NSU-Terroristen schon einmal nah gekommen. Das bestätigte am Montag indirekt ein Kriminalbeamter beim Münchner NSU-Prozess.

Der sollte 2006 einen Diebstahl sowie einen Wasserschaden in der Zwickauer Polenzstraße 2 aufklären. Das war direkt über jener Wohnung, in der Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt jahrelang gelebt haben sollen. Der Polizist wollte damals eine dort wohnende »Lisa Dienelt« befragen. Geöffnet habe ihm aber eine »Susanne Eminger«. Allerdings, so habe die Frau gesagt, sei ihr Spitzname »Lise«, so dass es zu Verwechslungen mit »Lisa« kommen kann. Dienelt und Eminger waren Tarnnamen von Zschäpe. Frau Eminger ist die Ehefrau von André Eminger, der in München als Helfer des NSU angeklagt ist.

Bei einer späteren Vernehmung sei mit Frau »Eminger« auch deren angeblicher Mann erschienen. Auf Nachfrage eines der Nebenkläger konnte der Zeuge unter den Angeklagten diesen Mann nicht erkennen. Bereits bei der Vernehmung durch das Bundeskriminalamt hatte er in Zschäpe »Frau Dienelt« nicht identifizieren können.

Zum damaligen Zeitpunkt lag gegen Böhnhardt noch ein Haftbefehl vor. Zschäpe wurde nicht mehr polizeilich gesucht und Mundlos galt nach einer entsprechenden Anzeige seines Vaters seit 2005 als vermisst. nd/hei

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