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Kein Deutsch, kein Herz?

Transplantationsstreit vor Gericht: Einer Klinik waren die Sprachkenntnisse eines Flüchtlings zu gering

  • Von Matthias Arnold, Bielefeld
  • Lesedauer: 3 Min.

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Hassan Rashow-Hussein braucht ein neues Herz. Doch der irakische Flüchtling kann kaum Deutsch. Eine Klinik verweigert ihm darum einen Platz auf der Warteliste für eine Transplantation.

Darf man einem Menschen wegen mangelnder Sprachkenntnisse eine lebensrettende Herztransplantation verweigern? Die Ärzte des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) in Bad Oeynhausen haben diese Frage zumindest teilweise bejaht und Hassan Rashow-Hussein im Frühjahr 2010 nicht auf die Warteliste für Spenderorgane gesetzt.

Wegen gravierender Verständigungsprobleme sei zweifelhaft, ob der Patient aus Irak die ärztlichen Vorgaben für die Vor- und Nachbehandlung verstehen und konsequent umsetzen würde, hieß es. Der Fachbegriff dafür lautet »Komplianz«. Der 62-jährige Iraker erfülle damit nicht die nötigen Voraussetzungen für eine Transplantation, begründeten die Mediziner ihre Entscheidung.

Doch Rashow-Hussein wollte diese Entscheidung nicht akzeptieren. Er verklagte die Klinik und verlangt ein Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Euro. Nun muss das Landgericht Bielefeld entscheiden. »Sie haben mir Hoffnungen gemacht und mich am Ende fallen lassen. Ich finde, dass ich von dem Krankenhaus menschlich und gesundheitlich im Stich gelassen worden bin«, teilt Rashow-Hussein schriftlich über seinen Anwalt mit. Interviews gibt er angesichts des gerichtlichen Verfahrens im Moment keine. Am 20. Dezember beginnt der Prozess.

Vor über 13 Jahren ist Hassan Rashow-Hussein aus Irak nach Deutschland geflohen. Er ist Jeside, eine Religionsgemeinschaft, die in Irak bis heute immer wieder Gewalt und Verfolgung ausgesetzt ist. Inzwischen lebt er mit seiner Familie im niedersächsischen Peine. Die Sprache hatte er in dieser langen Zeit allerdings nicht gelernt.

»Es muss sichergestellt sein, dass der Patient nach der Transplantation jederzeit Anweisungen, Ratschläge und Aufklärung von Ärzten und Pflegepersonal in die Tat umsetzen kann«, sagt der Leiter der Herzchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum, Jan Gummert. Denn Missverständnisse könnten im schlimmsten Fall tödliche Konsequenzen haben. Die HDZ-Ärzte berufen sich auf Richtlinien der Bundesärztekammer. Dort heißt es, dass auch sprachliche Schwierigkeiten eine mangelnde Komplianz und damit eine Nichtaufnahme auf die Warteliste bedeuten können.

Der 36-jährige Anwalt Cahit Tolan vertritt Rashow-Hussein vor Gericht. »Die Voraussetzungen der Komplianz dürfen überhaupt nicht auf sprachliche Schwierigkeiten zurückgeführt werden«, sagt er. Im Februar dieses Jahres erstritten er und sein Mandant vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Prozesskostenhilfe. Denn für eine Klage hatte Rashow-Hussein nicht genug Geld.

Um den Platz auf der Warteliste geht es bei der Verhandlung in Bielefeld allerdings nicht mehr. Wenige Wochen nach der Ablehnung aus Bad Oeynhausen haben die Ärzte der Uniklinik Münster Rashow-Hussein auf die Liste genommen und behandeln ihn seither. Warum sie die Lage anders als ihre Kollegen in Bad Oeynhausen einschätzen und wie sie die Sprachprobleme überwinden wollen, dazu will die Klinik in Münster nichts sagen und verweist auf das schwebende Verfahren. dpa/nd

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Das Blättchen Heft 19/18