Werbung

Die Isolation durchbrechen

Auch in diesem Jahr wollen Aktivisten an Silvester wieder vor Haftanstalten demonstrieren

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Robert Schulz ist Mitglied in der unabhängigen Organisation »Anarchist Black Cross Berlin« (ABC). Die Gruppe organisiert die jährlichen Demonstrationszüge vor die Justizvollzugsanstalten in Moabit und Lichtenberg. Über die »Knastdemo«, staatliche Repression und das Gefängnissystem sprach mit dem 29-Jährigen Jérôme Lombard.

nd: Wie in den vergangenen Jahren werden Sie auch an diesem Silvesterabend eine Demonstration unter dem Motto »Die Freiheit aller Menschen ist die Bedingung der eigenen Freiheit« vor den Justizvollzugsanstalten in Moabit und Lichtenberg veranstalten. Warum gerade an diesem Tag?
Schulz: Mit der Demonstration wollen wir den Inhaftierten zeigen, dass sie nicht vergessen hinter den Betonmauern eingesperrt sind. Während draußen die Menschen feiern und das neue Jahr begrüßen, sitzen die Inhaftierten alleine, passiv und isoliert in ihren Zellen. Gerade an Silvester ist also das Gefühl der Ohnmacht für die Gefangenen besonders spürbar.

Wie lautet die Botschaft, die Sie den Inhaftierten übermitteln wollen?
Mit der Präsenz solidarischer Menschen vor den Gefängnismauern wollen wir die Isolation der Eingesperrten ein Stück weit durchbrechen. Der einzige Kontakt, den die Gefangenen zur Außenwelt bekommen können, ist schließlich neben dem Fernseher durch ihr vergittertes Fenster. Die Botschaft lautet daher: Ihr seid nicht vergessen, ihr seid nicht alleine, wir denken an euch.

Unterscheiden Sie dabei zwischen politischen und anderen Gefangenen?
Ich finde eine strikte begriffliche Unterscheidung in diese Kategorien schwierig. Ist zum Beispiel jemand, der bewusst »schwarz« fährt, um gegen die hohen Preise der BVG zu protestieren, nun mehr ein politischer Gefangener als jemand, der einfach kein Geld für das Ticket hat? Genau dasselbe ist es bei Ladendiebstählen aus Armutsmotivation heraus. Die Demonstration richtet sich also an alle Inhaftierten. Wir reduzieren uns nicht nur auf sogenannte politische Gefangene.

Nicht alle der über 3500 Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten sind Schwarzfahrer und Kleinkriminelle. Wäre es nicht politisch geboten, Gewalt- und Sexualstraftäter explizit von einer Solidaritätsbotschaft auszuschließen?
Innerhalb des Kapitalismus sollen Gefängnisse als Lösung für Menschen dienen, die nicht in diese Gesellschaft passen oder mit ihren Regeln gebrochen haben. Was ist das für eine Gesellschaft, wo Gewaltverhältnisse nur in beschränkter Weise benannt werden? Abschottung vor Flüchtlingen, Gewalt in der Familie oder Polizeigewalt, um ein paar Beispiele zu nennen, sind nur einige Formen von gesellschaftlich legitimierter Gewalt.

Sie kritisieren das Strafvollzugssystem als repressiv. Stimmt es, dass Gefängnisse erst den Hass auf die Gesellschaft hervorrufen?
Statistiken belegen die hohen Rückfallquoten von sogenannten Straftätern bei diversen Delikten. Gerade auch unter Jugendlichen. Es ist also offensichtlich, dass hier irgendetwas im System schief läuft. Es heißt auch nicht ohne Grund, dass das Gefängnis die beste Schule eines Verbrechers ist. Klar ist aber auch, dass Gefängnisse nur die Endstation einer Repressionskette sind, die bereits mit gewalttätigen Übergriffen von Polizisten auf der Straße beginnt.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Die Serie aus dem studentischem Kosmos.

Leben trotz Studium?!

Jetzt 14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt lesen und keine Folge verpassen.

Kostenlos bestellen!