Tunesiens Jugend am Ende ihrer Geduld

Auch drei Jahre nach dem Sturz Ben Alis sehen immer mehr junge Leute in Auswanderung die einzige Perspektive

  • Von Tim Zülch, Tunis
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Der nationale Dialog in Tunesien ist gescheitert. Die Regierungspartei Ennahda klebt an der Macht, und vor allem junge Menschen suchen frustriert das Weite.

»Die werden niemals freiwillig die Macht loslassen und aus der Regierung gehen«, sagt Sonja Garziz und schaut über den öden Kasbah-Platz in der Nähe des Regierungssitzes. Sonja Garziz spricht von Ennahda, der islamischen Regierungspartei, die nach Sturz des autoritären Herrschers Zine el-Abidine Ben Ali im Oktober 2011 bei den ersten freien Wahlen an die Regierung kam.

Innerhalb eines Jahres sollte sie in einer verfassungsgebenden Versammlung eine neue Verfassung erarbeiten und zusammen mit zwei kleineren Parteien die Regierungsgeschäfte führen. Doch mittlerweile ist die verfassungsgebende Versammlung handlungsunfähig und der von der mächtigen Gewerkschaft UGTT eingeleitete »nationale Dialog« zur Übergabe der Regierungsgeschäfte an eine Übergangsregierung abgebrochen.

Sonja Garziz glaubt nicht mehr an eine Verhandlungslösung. Sie denkt, es werde eine zweite Revolution geben - und sie sieht das nicht mal negativ: »Im Mome...

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