Der achte Häuptling

Erich Preuß über unterschiedliche Interessen innerhalb der Deutschen Bahn

Der hat uns gerade noch gefehlt, meint ein Eisenbahner hinter vorgehaltener Hand über Ronald Pofallas Aussichten auf einen Vorstandsposten. Der Insider hegt nicht einmal Antipathie gegenüber dem CDU-Mann, wie es andere Kritiker der Personalie im Konzern tun, sondern ärgert sich vor allem über die Vermehrung der Häuptlinge, während im Revier die Indianer fehlen.

Recht hat er. 1970 genügten der Deutschen Bundesbahn außer dem »Vorstandsvorsitzer« Heinz Maria Oeftering drei Vorstände. 2013 sind es neben Bahnchef Rüdiger Grube sieben geworden. Zwar sind die Aufgaben im Konzern gewachsen, nicht zuletzt wegen der Fusion mit dem Netz der Reichsbahn vor 20 Jahren. Aber haben sie sich verdoppelt? Die Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat bezweifeln das. Klaus-Dieter Hommel etwa fragt öffentlich nach dem Sinn eines Vorstandspostens für politische Beziehungen, der für Pofalla geschaffen werden soll.

Gewiss braucht Bahnchef Grube Unterstützung in der Regierung und auch in der EU-Kommission, die Netz und Betrieb der Bahn getrennt haben möchte. In Brüssel lobbyieren bereits Beauftragte des Konzerns. Ob der in diesem Metier wenig beschlagene Pofalla helfen kann, ist zu bezweifeln. Schon einmal, von 1998 bis 2000, hatte die DB mit einem Laien, Sachsen-Anhalts Ex-Ministerpräsidenten Werner Münch, Misserfolg: Er kostete viel und brachte wenig.

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