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Das Wesen dieser Zeit

Ralf Meyer und Werner Makowski brillieren mit Sonetten - samt Aquarellen von Frank Hauptvogel ein verlegerisches Kleinod

  • Von André Schinkel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es gibt sie noch, und angesichts eines sich an seinem eigenen Gehechel gern überkullernden Literaturbetriebs wirken sie oft wie ein Wunder: anspruchsvolle, leuchtende Gedichte, die den Spagat zwischen den Zeiten wagen, der Gegenwartskultur in eine zeitlose Würde helfen, ohne ihr um des Auffallens um jeden Preis willen gedrechselte Hörner aufzusetzen. Mit ihren »Sonetten bei den Brombeeren« ist es Ralf Meyer und Werner Makowski gelungen, die Höhe ihres jeweiligen Tons mit der Eingängigkeit schöner und frappierender Verse in eine Waage zu bringen, wie sie in der momentanen Lyrikszene ihresgleichen sucht.

Fernab jedes unnötigen Wortgekrümels findet sich auf 80 Seiten nicht allein das Zeugnis einer Freundschaft in Form eines »Zweidichterbuchs« es werden zugleich auf eine so kluge wie unnachahmliche Weise die Geschichten zweier Lieben erzählt, die sich in den Gebresten der Jetztzeit auf der Suche nach Halt und Sinn zu bewähren haben. Beiden Autoren stehen dafür jeweils 22 Texte zur Verfügung, die einmal Bogen, Schwebe, aber auch Feuerproben einer Beziehung beschreiben. Dezent und zugleich altmeisterlich mit Aquarellen von Frank Hauptvogel bebildert, ergibt sich so in der Synthese der drei beteiligten Handschriften ein literarisches, nicht zuletzt auch ein verlegerisches Kleinod.

Während sich Meyer in seinem Part mit der Erfüllung der anspruchsvollen Form in den klassischen Maßen des romanischen wie des Shakespeare-Sonetts übt, hat Makowski für seinen Umgang mit dem Königsgedicht eine eigene Form entwickelt - seine Texte variieren die formalen Vorgaben und erzeugen so eine neue Facette des - inhaltlich wie metrisch - vorgegebenen Dreiklangs, spielerisch und ernst in einem.

Die Rede ist dabei sowohl vom Erwachen wie vom Erhalten der Liebe, Leichtes und Frivoles schlagen dabei einen Kreis wie auch die Rede von der Furcht vorm Verlust, der Nicht-Erfüllung der Träume. Die Pole werden dabei im Maß gehalten und gleichen sich aus, das Korsett dieses Sprechens bietet ein Gerüst in ungewisser Zeit wie Raum für Desillusion (»Das Wesen dieser Zeit macht uns verdrossen«), ohne von der großen Voraussicht fürs Künftige (»Zum Beispiel fordern wir das Glück für alle!«) zu lassen.

Es berührt und verwundert, wie souverän beide Dichter das fordernde Sonett-Maß in die Gegenwart transferieren und gleichsam eine Einladung an alle Liebenden und Schreibenden aussprechen, sich selbst in »Brombeersonetten« zu versuchen. Ausgehend von einem Traum, der den ersten Vers des Buches gibt (»Wann Sommer ist? Wenn man nicht schlafen kann«), haben Ralf Meyer und Werner Makowski ein Buch vorgelegt, das durch Liebe gehalten ist und, bei aller Zumutung, auf Schönheit besteht. Eine weniger ›verdrossene‹ Zeit hätte dafür längst den Ehren-Titel »Gedichtband des Jahres« vergeben.

Ralf Meyer, Werner Makowski: Sonette bei den Brombeeren. Mit achtzehn Aquarellen von Frank Hauptvogel. Mitteldeutscher Verlag. 80 S., geb., 14,95 €.

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