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Brandenburg versteppt

Niederschläge schon heute wie in manchen Trockengebieten

Als das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) vor drei Jahren seine »Brandenburg-Studie« vorstellte, titelten die Tageszeitungen noch mit einem Fragezeichen. Wird Brandenburg versteppen? Inzwischen lassen genauere Modelle und weitere Messungen befürchten, dass die damaligen Modelle von einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad in Mitteleuropa bis 2050 wohl zu konservativ gerechnet waren.
Heiße trockene Sommer und kalte Winter, in denen die Durchschnittstemperatur im kältesten Monat unter 0 Grad liegt, sind die Kennzeichen von Steppenklima. Hohe jahres- und tageszeitliche Schwankungen im Temperaturverlauf sind charakteristisch. Auf bisherigen Klimakarten erstreckt sich der eurasische Steppengürtel von der ungarischen Puszta über die Ukraine, Südrussland, Nordkasachstan bis nach China. Die Jahresniederschlagsmengen in Steppengebieten liegen zwischen 250 und 440 mm. Mit Ausnahme weniger Regionen im Hohen Fläming oder im Norden Brandenburgs, nahe der Müritz, weist inzwischen ganz Brandenburg Jahresniederschläge wie im gemäßigten bis trockenen Steppenklima auf, vergleichbar mit Portugal oder Mexiko. Auch ist die Erwärmung in Brandenburg überdurchschnittlich hoch. Während der UN-Klimabericht einen weltweiten Temperaturanstieg von 0,6 Grad in den letzten 100 Jahren angibt, sind in der Uckermark die Sommertemperaturen allein in den letzten 40 Jahren um 3,7 Grad angestiegen. Dramatische Auswirkungen hat das vor allem durch die Vielzahl der in den letzten vier Jahrzehnte gebauten künstliche Entwässerungsgräben, die großräumige bergbaubedingte Grundwasserabsenkung im Lausitzer Braunkohlerevier und die Kiefernmonokulturen. Die Fähigkeit der geschädigten Ökosysteme, die Auswirkungen des Klimawandels abzupuffern, ist deutlich gesunken. Um das Austrocknen der Spree zu verhindern, muss Brandenburg schon das sechste Jahr in Folge Wasser aus den sächsischen Talsperren Quitzdorf und Bautzen »zukaufen«. Sinkt der Spiegel der Spree weiter ab, wird absehbar auch das Berliner Trinkwasser knapp, das überwiegend aus Uferfiltrat von Spree und Havel gewonnen wird. Unterdessen fand ein europäisches Forscherteam unter Beteiligung des PIK heraus, dass »die tatsächliche Erderwärmung durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe 15 bis 78 Prozent höher ausfallen kann, als bisher erwartet, da man bisher den positiven Rückkopplungseffekt der erhöhten Erdtemperatur auf das Kohlendioxid nicht ausreichend berücksichtigt hat,« sagt Victor Brovkin vom PIK.

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