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Flüchtlingskind

Sawsan Chebli wird Sprecherin im Auswärtigen Amt

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.

»Steinmeier holt sich Berliner Muslimin als Sprecherin ins Außenamt«, lautete die Meldung einer Nachrichtenagentur. In der Tat, die Ernennung von Sawsan Chebli als Vizesprecherin durch Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist etwas Besonderes: Sie ist die erste Muslimin auf einem Spitzenposten des Auswärtigen Amtes.

Nur wenigen ihrer rund vier Millionen Glaubensbrüder und -schwestern war es bisher vergönnt, die Karriereleiter in der deutschen Politik nach oben zu klettern. Viele von ihnen rutschen bereits an der ersten Sprosse ab. Zu gefestigt sind die Vorurteile, mit denen Muslime tagtäglich in der Bundesrepublik zu kämpfen haben: Vielen gelten sie seit den Anschlägen von 2001 in den USA als potenzielle Terroristen, als Menschen mit einer gewalttätigen Religion.

Chebli bringt durch ihre neue Sprecherrolle eine Stück mehr Normalität in den Politikbetrieb. Ihre Familie stammt aus Palästina; die Eltern lernten sich in einem libanesischen Flüchtlingslager kennen. Anfang der 1970er Jahre kamen sie nach Berlin, wo Sawsan und ihre zwölf Geschwister im Stadtteil Moabit aufwuchsen. Bis zum Alter von zwölf Jahren war Chebli staatenlos. Ihr Vater sei noch immer Analphabet, ihre Mutter spreche nur Arabisch, heißt es in Porträts der 35-Jährigen - die sich als streng gläubig bezeichnet und über sich sagt: »Ich bete, ich faste, ich esse kein Schweinefleisch und trinke keinen Alkohol.«

Chebli machte Abitur, studierte Politik und arbeitete für die SPD im Bundestag. Zuletzt war sie Referentin des Berliner Innensenators. Eine Problem für die Deutsch-Palästinenserin könnte ihre fehlende Praxis auf dem diplomatischen Parkett sein, Seiteneinsteiger sieht der Außenamtsapparat nicht gern. Ein weiteres womöglich die politische Linie ihres zukünftigen Dienstherren. Schließlich hat sich die Bundesregierung in der muslimischen Welt nicht überall Freunde gemacht, zumindest in jüngster Vergangenheit nicht. Vor allem die »bedingungslose Solidarität« mit den USA im »Krieg gegen den Terror« stieß vielerorts übel auf.

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