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Spiel mit Wind, Wetter und Wasser

Nach monatelangem Baustopp und viel Ärger ist die Fassade der Hamburger Elbphilharmonie endlich komplett

  • Von Folke Havekost, Hamburg
  • Lesedauer: 2 Min.
Von Hamburgs Dauerbaustelle gibt es auch Erfolgsmeldungen: Dieser Tage wurde der Elbphilharmonie ein »gestaltbildendes Teil« verpasst. Die wellige Glasfassade aus 1100 Einzelteilen ist komplett.

Mit großen Schritten eilte Barbara Kisseler vorbei an den Aushängen der Entfluchtungspläne zum Fahrstuhl in den 24. Stock der Elbphilharmonie. Die Dauerbaustelle am Hafenrand hat Hamburgs Politikern selten schöne Schlagzeilen beschert, da war die Verkündung einer positiven Nachricht eine dankbare Aufgabe für die Kultursenatorin. »Das lange Warten nimmt doch langsam etwas erfreulichere Formen an«, erklärte Kisseler Ende vergangener Woche.

Denn nun wurde das letzte von knapp 1100 gläsernen Fassadenteilen eingesetzt, die das Bauwerk optisch über seinen Backsteinsockel in luftige Höhen tragen. »Es ist das erste starke gestaltbildende Teil, mit dem die Elbphilharmonie ins Stadtbild eintritt«, schwärmte Jan-Christoph Lindert vom Architekturbüro Herzog & de Meuron. Die 16 000 Quadratmeter umfassende Elementfassade enthält zu einem knappen Drittel bei 600 Grad Celsius verformte Scheiben, die für natürliche Belüftung sorgen sollen. Sie verändert zudem ihr Aussehen abhängig von Lichteinflüssen, beabsichtigt ist »ein Spiel mit Wind, Wetter und Wasser«, wie Linderts Kollege Stefan Goeddertz formulierte.

Stephan Deußer, Projektleiter des Bauunternehmens Hochtief, sah es etwas prosaischer: »Wir ziehen der Elbphilharmonie den Mantel an, um dann im Inneren witterungsgeschützt weiterarbeiten zu können.« Hundert Meter weiter unten schleppen sich Kähne durch die eisige Elbe.

Für Hochtief stehen 2014 noch zwei weitere Vorhaben im Wohnbereich sowie am Dach des 110 Meter hohen Gebäudes an, die vertragsgemäß abgeschlossen werden müssen. 2016 soll der gesamte Bau fertig gestellt sein, 2017 soll die Eröffnung folgen. »Am elementaren Baufortschritt lässt sich ablesen, wie gut die Zusammenarbeit aller Beteiligten inzwischen funktioniert«, resümierte Senatorin Kisseler und erntete vereinzeltes Gelächter aus den Reihen der Pressevertreter. Zu frisch ist die Erinnerung an den 18-monatigen Baustopp, der erst durch eine Einigung im Sommer 2013 beendet wurde. Ein Untersuchungsausschuss kam dann im Januar zum Ergebnis, dass mangelnde städtische Kontrolle zur Kostenexplosion von 186 auf 789 Millionen Euro beigetragen hat.

Kisseler ist davon unbelastet, die parteilose Rheinländerin ist erst seit dem SPD-Wahlsieg 2011 im Amt. »Langsam können wir uns mit dem auseinandersetzen, was hier eigentlich stattfinden soll, nämlich die Bespielung des Konzertsaals«, erklärte die Senatorin. Seit sieben Wochen wird dem großen Konzertsaal die von Yasuhisa Toyota entworfene »weiße Haut« angelegt: 10 000 individuell gefertigte Gipsplatten, die im Zusammenspiel für eine weltweit einzigartige Akustik sorgen sollen. »Das Herzstück nimmt langsam Gestalt an«, kommentierte Kisseler und verwies auf 30 000 Besucher, die die Baustelle im vergangenen Jahr besichtigt haben: »Das zeigt, wie groß das Interesse an dieser Architekturikone ist.« Zwei Tage der offenen Tür am 17. und 18. Mai sollen es noch verstärken.

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