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Aufgeben ist seine Sache nicht

Filmregisseur Ken Loach und die radikale Linke

Am Abend zuvor stand Ken Loach entspannt plaudernd auf dem roten Teppich am Berlinale-Palast, vor sich die Verleihung des Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk. Am Freitagmorgen lernten knapp 100 Teilnehmer im voll besetzten Robert-Havemann-Saal im Berliner Haus der Demokratie eine andere Seite des britischen Filmemachers kennen. Auf Einladung verschiedener linker Organisationen sprach er über die neu gegründete Partei »Left unity« (Linke Einheit). Denn Ken Loach ist nicht nur sozialkritischer Filmemacher, er ist auch seit Jahrzehnten politischer Aktivist.

Sein Thema an diesem Morgen: Die Krise in Europa und die Neuformierung der radikalen Linken. Denn nach vielen Jahren der Zersplitterung hat der 77-Jährige sich der Einheit verschrieben, die es möglich machen soll, der Rechten und dem Neoliberalismus eine politische Kraft entgegenzusetzen.

Lange habe er sich selber darin verfangen, sich von anderen zu separieren, erzählt er und ergänzt eine launige Anekdote, nach der er seinem Sohn sogar verboten hat (auf Anweisung des Generalsekretärs seiner damaligen trotzkistischen Gruppe) mit dem Sohn eines Freundes Fußball zu spielen, weil dieser in einer anderen trotzkistischen Kleinstpartei war. »Das ist einer der Schäden, die Separatismus anrichtet«, weiß er heute.

Und damit soll Schluss sein. »Wenn wir uns zusammentun, dann sind wir nicht zu stoppen«, sagt er und eine Hoffnung schwingt mit, dass die neue Partei die Lücke füllen kann, die die sozialdemokratische Labour Party hinterlassen habe, seit sie den Weg der Privatisierung eingeschlagen hat und damit die Arbeitsbedingungen etwa durch Leiharbeit massiv verschlechtert wurden. Dafür sollen sich die vielen Kampagnen und Gruppen, die in Großbritannien beispielsweise gegen die Privatisierung des Bildungs- oder Gesundheitswesens arbeiten, hinter einer Kraft vereinen.

Klar, diese Kraft soll »Left Unity« sein. 1500 Mitglieder gibt es seit der offiziellen Gründung vor zwei Monaten. Wie die Einheit der Linken erreicht werden soll, dazu gab es auch auf Nachfrage wenig konkrete Vorstellungen. »Ich weiß nicht, ob wir es schaffen, aber einen Versuch ist es wert«, sagt Loach. Dabei ist es bereits sein dritter, nach der Gründung der Sozialistischen Allianz in den 1980er Jahren und dem Bündnis »Respect« zu Zeiten des letzten Irakkrieges. Aufgeben ist seine Sache nicht.

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