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Nur wenige schwarze Schafe?

Krankenkassen diskutieren Betrug im Gesundheitswesen

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Der »Kassengipfel 2014« brachte am Freitag in Berlin Vertreter der Gesetzlichen Krankenversicherungen mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens zusammen. Die Tagung stand unter dem Motto »Sozialisierung versus Privatisierung«. In einem Forum ging es um Abrechnungsbetrug, Korruption und die notwendigen Kon-trollmechanismen.

Ein dabei genanntes Beispiel: Ein Physiotherapeut fügte nach Abschluss einer Reihe von Behandlungen, die der Patient jeweils quittiert hatte, jedes Mal noch das Stichwort »Fango« in die entsprechende Tabellenspalte ein. Die heilsame Packung wurde nie verabreicht, abgerechnet aber schon. Damit ist der Krankenkasse zwar kein allzu großer Schaden entstanden. Gehen die Betrüger aber jahrelang so vor, summiert sich das.

Dina Michels, Leiterin der Prüfgruppe Abrechnungsmanipulation bei der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), kennt Dutzende solcher Beispiele. In ihrem Vortrag präsentierte sie als Beleg gefälschte Rezepten, die Namen der Verdächtigen darauf natürlich geschwärzt. Nach ihrer internen Statistik gibt es in der Berufsgruppe der Physiotherapeuten die höchsten Fallzahlen. Die höchsten Schäden entstehen aber durch Apotheker. Hier scheint der Betrug recht verbreitet - immer noch handschriftlich von Ärzten ausgefüllte Rezepte laden dazu förmlich ein. Da wird schnell mal die Ziffer zwei vor den Namen eines ohnehin teuren Krebsmittels gesetzt, oder leerbleibende Zeilen werden mit nachgeahmter Handschrift um weitere Medikamente ergänzt.

Ärztliche Leistungen machen in Michels Statistik 6,5 Prozent der Fälle aus, bei den Tatverdächtigen bringen es die Ärzte auf einen Anteil von 18,5 Prozent. Auch hier geht es meist um Abrechnungsbetrug. Zum Teil wird die Leistung zwar tatsächlich erbracht, aber zu einem höheren Satz bei der Kasse abrechnet - etwa wenn der Oberarzt operiert hat, der Chefarzt aber eingetragen wird.

Ärztekammer-Präsident Frank-Ulrich Montgomery versuchte in seinem Vortrag, die eigene Berufsgruppe wortreich aus der Schusslinie zu bringen. Alle großen Korruptionsskandale der letzten Jahre hätten nach tausenden Ermittlungsverfahren letztlich nur zu wenigen Prozessen und zu noch weniger Verurteilungen von Ärzten geführt. Außerdem wurden die niedergelassenen Ärzte über ein Urteil des Bundesgerichtshofes eindeutig nicht als Beauftragte oder Amtsträger der Krankenkassen definiert. Das heißt, dass ihnen als Freiberufler zumindest Korruption nicht zur Last gelegt werden kann - solange der Gesetzgeber hier nichts ändert. Bei den Betrugsfällen gehe es nur um einige schwarze Schafe, die 99 Prozent ehrlichen Ärzte wären es leid, in den Medien derartig verunglimpft zu werden.

Entsprechend begrüßte Montgomery die Absicht des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller, ab 2017 alle Zahlungen an Ärzte zu veröffentlichen. Er hofft auf einen Effekt wie in den USA: Dort müssen nach dem »Physician Payments Sunshine Act« Zahlungen von Pharmafirmen an Ärzte und Lehrkrankenhäuser veröffentlicht werden - seither interessiere sich niemand mehr für das Thema.

Der KKH-Vorstandsvorsitzende Ingo Kailuweit sieht den Ball beim Gesetzgeber. Angesichts der im gesamten Gesundheitswesen vorherrschenden ökonomischen Interessen müsse die Politik dafür sorgen, dass sich alle Akteure sowohl patientenorientiert als auch marktgerecht verhielten.

BGE_links

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