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Israels »grauenvolles Muster ungesetzlicher Tötungen«

Amnesty International wirft israelischer Armee Kriegsverbrechen an Palästinensern vor

Jerusalem. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft Israel vor, im besetzten Westjordanland Kriegsverbrechen an Palästinensern zu begehen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht listet sie Beweise für vorsätzliche Tötungen von Palästinensern durch israelische Soldaten auf.

In dem Bericht mit dem Titel »Schießwütig: Israels übermäßige Gewaltanwendung im Westjordanland« untersucht die Organisation 22 Fälle getöteter Zivilisten. Nicht Gegenstand der Untersuchung ist die Situation im Gazastreifen. In allen untersuchten Fällen – darunter 14 tote Demonstranten und vier getötete Kinder - sei von den Zivilisten keine direkte Gefahr für das Leben von Soldaten ausgegangen. Im Gegenteil: Es gebe Hinweise, dass in mehreren Fällen vorsätzlich getötet wurde. Dies stelle ein Kriegsverbrechen dar.

Amnesty zufolge tötete die israelische Armee im besetzten Westjordanland seit 2011 insgesamt 54 Palästinenser, darunter friedliche Demonstranten, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten. Mehr als 8.700 Menschen, darunter über 1.500 Kinder, seien durch Geschosse verletzt worden.

Bei einem der untersuchten Fälle handelt es sich um den 16-jährigen Samir Awad aus dem Dorf Budrus nahe Ramallah. Bei einer Demonstration gegen Israels Trennungsmauer seien er und mehrere Freunde in einen Hinterhalt durch israelische Soldaten geraten. Beim Versuch zu fliehen, so der Bericht, schossen israelische Soldaten Samir insgesamt dreimal in den Hinterkopf, in das Bein und die Schulter. In dem Bericht beschreibt einer der Freunde den Tod von Samir: »Sie schossen ihm erst ins Bein, trotzdem schaffte er es davonzulaufen … Wie weit kann ein verwundetes Kind rennen? Sie hätten ihn einfach festnehmen können … stattdessen erschossen sie ihn von hinten mit scharfer Munition.« Die Tötung des Jungen, so Amnesty, käme einer »außergerichtlichen Exekution« und damit einem Kriegsverbrechen gleich.

Fälle wie dieser, so der Bericht, zeugten von einer »gleichgültiger Geringschätzung menschlichen Lebens« innerhalb der israelischen Armee. Beweise lägen nun vor, »die das grauenvolle Muster ungesetzlicher Tötungen und ungerechtfertigter Verwundungen von palästinensischen Zivilisten durch israelische Soldaten bezeugen«, erklärte der Amnesty-Chef für Nordafrika und den Nahen Osten, Philip Luther, am Donnerstag und forderte, Waffenlieferungen an Israel einzustellen.

Ohne die Vorwürfe abzustreiten, reagierte die israelische Armee via Twitter auf den Bericht: Amnesty lasse die palästinensische Gewalt aus, derer sich die Armee jeden Tag ausgesetzt sehe, schreibt ein Sprecher der israelischen Streitkräfte und verweist auf einen Beitrag über palästinensische Steinewerfer. nd-fak

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