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#WirsindAnne

Martin Kröger über die Drohungen gegen die Piratin Anne Helm

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Dass die auf Provokation ausgelegte Politaktion der Piratin Anne Helm und ihrer Mitstreiterin in Dresden recht geschmacklos war, steht außer Frage. Helm räumt inzwischen selber ein, dass der Nacktauftritt nach Femen-Muster mit dem Slogan »Thanks Bomber Harris« auf dem entblößten Oberkörper ziemlich naiv war und dass sie die Opfer des Angriffs auf Dresden nicht verunglimpfen wollte. Das ist das eine.

Auf einem anderen Blatt stehen die krassen Reaktionen, die die Aktion der Piratin und ihrer Mitstreiterin danach ausgelöst hat, die auf dem Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Hashtag Bombergate firmieren. Üble Morddrohungen, Beleidigungen und sexistische Beschimpfungen. Was in den vergangenen Wochen und immer noch an Wut und Hass gegen die Piratin laut wird, entlarvt den nationalistischen und chauvinistischen Zustand von Teilen der Gesellschaft, in der wir leben.

So ist ein häufiges Muster in der Flut der Geschichtsklitterungen, die nicht nur von Neonazis betrieben werden, das Herausreißen der Opfer des Bombenangriffs auf Dresden aus dem historischen Kontext. Doch wer beim Trauern zugleich die Opfer deutscher Flieger von Guernica, Coventry, Belgrad und vieler anderer Ort unerwähnt lässt, verhält sich heuchlerisch.

Immerhin gibt es inzwischen auch eine Gegenbewegung zu der Hasswelle. Ihr Slogan: WirsindAnne. Dass fast 500 Menschen am Mittwoch vor dem Rathaus Neukölln zusammenkamen, um ihre Solidarität mit der konkret bedrohten Anne Helm auszudrücken, war angesichts dessen ein kleines positives Zeichen, das aufmuntert.

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