Provokative Linken-Kritik stößt bei Grünen auf Ablehnung

Fake-Plakat von Europaabgeordnetem Bütikofer zeigt Linken-Vize Wagenknecht / Grünen-Landeschef Wesener: Ich schäme mich dafür

Berlin. Ein als Provokation gedachtes Plakat, das die Linken-Vizevorsitzende Sahra Wagenknecht zeigt und Kritik an der Krim-Position ihrer Partei darstellen soll, ist bei den Grünen auf Ablehnung gestoßen - obwohl es aus deren Reihen stammt. Auf dem Fakeposter, das der grüne Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer ins Netz stellte und das unter anderem von der Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt verbreitet wurde, wird Wagenknecht vor dem Hintergrund offenbar russischer Bewaffneter und dem Spruch »Jetzt neu: Linkspartei erstmals für Auslandseinsätze« gezeigt.

Gegenüber dem »Tagesspiegel« erklärte Bütikofer, die Plakat-Aktion sei »als Provokation beabsichtigt, weil ich es unerträglich finde, mit welchem kühlen Zynismus Sahra Wagenknecht um Verständnis für die russische Krim-Aggression wirbt«. Wagenknecht hatte in der Woche erklärt, man müsse sich mit einer möglichen Angliederung der Krim an Russland abfinden. »Es gibt machtpolitische Gegebenheiten, die man akzeptieren muss.« Innerhalb der Grünen stieß Bütikofers Aktion jedoch auf Kritik.

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, erklärte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, »das Bild kommt nicht von uns und die niveaulosen Angriffe von einigen Linken auf uns, sollten wir nicht so kontern«. Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Strengmann-Kuhn, wandte sich per Twitter an Bütikofer und erklärte, er sei »erstaunt«, die Aktion sei »deutlich unter deinem sonstigen Niveau und leider völlig kontraproduktiv«. Die Grünen-Politikerin Monika Lazar sagte, »das hätten wir uns ersparen sollen«. Lazar weiter: »man darf die LINKE Position zur Krim bedenklich finden, aber genauso auf niveaulose Motivwahl in sozialen Netzwerken verzichten.«

Der Berliner Landeschef der Partei, Daniel Wesener, twitterte, »ich schäme mich für dieses Niveau, das dem von Sevim Dagdelen kaum nachsteht«. Die Bundestagsabgeordnete der Linken hatte ihrerseits die Haltung der Grünen in der Ukrainefrage auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit den Worten kommentiert, »unerträglich diese verwelkten Grünen, die die Faschisten in der Ukraine verharmlosen, die antisemitische Übergriffe begehen. Ein Tabubruch!« Dies war bei den Grünen auf heftige Empörung gestoßen.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, fragte in Richtung der Grünen, »suchen Sie nach Lösungen oder nach einem Wahlkampfthema? Mein Rat: dieser Konflikt eignet sich nicht.« Der Grünen-Vorsitzende Özdemir verteidigte dagegen die Plakat-Aktion. Auf Facebook äußerte er, »das Share-Pic ist eine provokante Zuspitzung zu den schwer erträglichen Äußerungen von Sahra Wagenknecht und Sevim Dagdelen in Sachen Putins Annektierung der Krim. Ich kann verstehen, dass dies nicht jeden Geschmack trifft. Was ich nicht verstehe ist, dass den beiden bislang kaum widersprochen wird.«

Am Sonntag machten dann eine Reihe von Grünen-kritischen Plakat-Fakes im Internet die Runde - auf dem selben Niveau. Kritisiert werden sollte damit offenbar die Haltung der Grünen in der Ukrainefrage. nd

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