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Bloß nicht deklamieren!

Der Deutsche Hörfilmpreis 2014 wurde verliehen

  • Von Marc Hairapetian
  • Lesedauer: 2 Min.

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Um Filme zu lieben, muss man sie nicht sehen«, lautet das Credo des Deutschen Hörfilmpreises der alljährlich vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertverband e.V. mit Unterstützung zahlreicher prominenter Paten vergeben wird. Zugegebenermaßen ein schöner Wahlspruch, doch was ist eigentlich genau ein Hörfilm? Ein Hörfilm ist wohlgemerkt kein Hörspiel eines Films und auch nicht dessen Synchronisation, wie schon mancher Filmkritiker fälschlicherweise angenommen hat, sondern dessen Audiodeskription, die Blinden und Sehbehinderten einen barrierefreien Zugang zu Kino und Fernsehen ermöglicht. Diese erleben einen Film allein über seine Tonspur und sind deshalb darauf angewiesen, dass Bildinhalte akustisch umgesetzt werden.

Gregory Frazier entwickelte Mitte der 1970er Jahre an der San Francisco State University of Creative Arts die Audiodeskription, bei der eingesprochene Texte in den Dialogpausen Hinweise zu Mimik, Gestik und Aussehen der handelnden Personen geben, Orte beschreiben oder Zeitsprünge, Rückblenden und Traumsequenzen erläutern. 1989 wurde die Technik, bei der Szene für Szene durch einen Voice-Over-Kommentator beschrieben wird, in Europa bei den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt. Inzwischen liefern viele DVDs und Blurays die Hörfilmfassung mit. Auch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind immer mehr für die 1,2 Millionen Blinden oder stark Sehbeeinträchtigten in Deutschland um Audiodeskription bemüht. Die privaten Sender haben die Zeichen der Zeit eines barrierefreien Film- beziehungsweise Fernsehprogrammgenusses allerdings noch gar nicht erkannt, wie Michael Steinbrecher, der durch die zwölfte Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises im Atrium der Deutschen Bank Unter den Linden führte, kritisch hinterfragte.

Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, die den diesjährigen Publikumspreis an die bayrische Daily Soap »Dahoam is dahoam« mit einem lokalpatriotischen »passt schon!« überreichte, forderte darüber hinaus auch die durchgehende Audiodeskription aller Filme bei der Berlinale. Deren Chef, Dieter Kosslick, hat es nicht vernommen, denn trotz Einladung war er der Veranstaltung ferngeblieben.

Die Schauspielerinnen Brigitte Grothum und Eva Habermann, beide Jury-Mitglieder, waren sich einig, was einen guten Sprecher bei einer Audiodeskription ausmacht: »Reduzierung auf das Wesentliche und bloß nicht in deklamierenden Ton verfallen«.

Die beiden Hauptpreise für die Kategorien TV (Laudatio von der Schirmherrin Christine Neubauer) und Kino (Laudatio von der strahlend schönen Karoline Herfurth) gingen an die behutsamen Audiodeskriptionen von René Heisigs HIV-Drama »Blutgeld« und Sherry Hormanns Aufarbeitung der Natascha-Kampusch-Entführung »3096 Tage«. Gut - man muss es so deutlich sagen -, dass nicht »Feuchtgebiete« gewonnen hat, denn bei dem dargebotenen Ausschnitt der Hörfilmbeschreibung wurde aus dem Kinnbart eines jungen Drogendealers kurzsichtiger (!) Weise lediglich ein »Schnurrbart«.

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