Werbung

Protest beim Gauck-Besuch in Kreuzberg

Präsident besuchte Vereine und einen Imbiss

Rund 100 Menschen haben Bundespräsident Joachim Gauck am Mittwochnachmittag in Kreuzberg einen unschönen Empfang bereitet. Von verschiedenen Seiten der Absperrung rief die Menge »Hau ab!« und »Kriegstreiber!«, als Gauck bei seiner Rundfahrt zu Berliner Stadtteilprojekten am Kottbusser Tor Halt machte. In einem Café traf er sich mit sieben »Vereinen und Initiativen für eine vielfältige Gesellschaft«, wie es im Tagesprogramm hieß. Die Adalbertstraße war dafür auf einer Länge von rund 50 Metern von der Polizei abgesperrt.

Nach dem Treffen verabschiedete sich der Präsident von seinen Gesprächspartnern minutenlang und unter dem Geschrei der Protestierenden. Die Betreiberin eines türkischen Imbisses erbarmte sich, bat ihn herein und präsentierte ihm ihr Angebot.

Menschen, die in Deutschland Akzeptanzprobleme haben, hätten sich an den Bundespräsidenten gewandt, zeigte sich Café-Betreiber und Gastgeber Ercan Yasaroglu gegenüber »nd« zufrieden über den Besuch. »Sie haben ihm ihre Betroffenheit geschildert.« Aber auch über soziale Ungleichheit sei gesprochen worden.

Yasaroglu, der vorab viel Kritik für seine Einladung erfahren hatte, fand aber auch die Proteste »sehr gut«. Auch das sei ein Lernprozess für Gauck. »Dieses Land ist im Krieg«, sagte der Café-Betreiber und Sozialarbeiter mit Bezug auf die Rolle der Bundeswehr und lobte die Protestierenden dafür, dass sie das zur Sprache brachten.

Schon am Vormittag hatte der Präsident bei einem Neuköllner Projekt laut einer Nachrichtenagentur betont: »Wir sind dabei zu begreifen, dass wir ein Einwanderungsland sind.« Er fügte demnach hinzu: »Wir nehmen Zuzug als Gewinn wahr«, und kritisierte Nationalisten mit den Worten: »Manche sind sogar so idiotisch, dass sie alte Konzepte von Nationalismus zu neuem Leben erwecken wollen.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln