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Fast so schnell wie das Licht

Börse-4.0-Laser soll den Börsenhandel noch mehr beschleunigen / Regulierung hinkt hinterher

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Handel an den Börsen wird immer schneller. »Börse 4.0« heißt die Hoffnung der Hochfrequenzhändler: Laserstrahlen sollen das Tempo der Spekulation nochmals verschärfen. Ein Staatsanwalt in New York will dagegen vorgehen.

Der Handel an den Börsen wird immer schneller. Er ist bereits sogar so schnell geworden, dass der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman gegen Hochleistungscomputer vorgehen will. Doch der heutige Hochfrequenzhandel könnte bald eine lahme Ente sein, wenn die Börsen via Laser übermittelt werden, wie es die Wall Street derzeit plant.

Dabei bearbeiten Hochfrequenzhändler bereits jetzt im Bruchteil von Sekunden Kauf- und Verkaufaufträge. Ihre Auftraggeber sind hierfür meist große Finanzinvestoren, Fondsgesellschaften oder Banken. Ausgenutzt werden Kursdifferenzen zwischen verschiedenen Handelsplätzen (»Arbitrage«) - so kann beispielsweise die Siemens-Aktie in Tokio kurzzeitig zu einem höheren Preis notiert sein als in Frankfurt. Eine andere Strategie setzt auf »Blitzaufträge«, man ist schneller beim Kauf oder Verkauf als die Konkurrenz und sichert sich so frühzeitig den aktuellen Kurs. Es ist ein Milliardenmarkt.

Das Kürzel HFT (High Frequency Trading: Hochfrequenzhandel) tauchte erstmals 2006 öfters in der Finanzszene auf. Seither rüsten Händler und Börsen wie Virtu Financial die amerikanische Nasdaq auf. Die Zeit für die Datenübertragung von New Jersey nach Chicago und zurück beträgt heute nur noch 13,3 Millisekunden. Für die einfache Verbindung Zürich-London rechnet die Deutsche Börse mit einer »Flugzeit« von 6,9 Millisekunden, für die räumlich kürzere Verbindung Zürich-Frankfurt 2,6 Millisekunden.

Doch schnell ist nie schnell genug. »Über Mikrowellen zur Datenübertragung wurde bereits 2008 geredet«, erzählt ein Hamburger Szenekenner. In der Praxis wurde daraus bislang wenig. Mikrowellen würden zwar über Satelliten genutzt. Aber die Satellitenübertragung sei »immer noch nicht sehr schnell«, so der Experte und verweist auf die flackernden Fernsehbilder aus Krisengebieten, die über Satellit gesendet wurden. Noch vor vier Jahren galt ein auf direktem Wege verlegtes Glasfaserkabel zwischen der US-Börse Nasdaq und einem über tausend Kilometer entfernten Datenzentrum als der letzte Schrei. Der Gewinn: 3 Millisekunden.

Doch bald könnte Laser den Börsenhandel 4.0 ermöglichen. Datenzentren der Wall Street und amerikanischer Technologiebörsen sollen über Laserstrahlen via Satellit miteinander vernetzt werden. »Das Wettrennen hört niemals auf«, sagte Michael Persico einer Zeitung. Persico ist Chef des Unternehmens Anova Technologies, das die Laserverbindung herstellen wird. Doch Persico dürfte sich irren: Laser kommt der Lichtgeschwindigkeit sehr nahe - schneller geht es nach heutigen physikalischen Kenntnissen dann nicht mehr.

Auch Europas Börsen rüsten auf. Warum, verdeutlichen zwei Zahlen: An US-Börsen macht der Hochfrequenzhandel bereits 70 Prozent des Handelsvolumens aus - in Europa sind es erst 40 Prozent. Doch wie bei anderen technologischen Entwicklungen drohen unliebsame Risiken wie verstärkte Kursschwankungen oder technische Fehler. Reguliert wird der Hochfrequenzhandel in Deutschland aber erst seit 2013. Eine europäische Finanzmarktrichtlinie (»MiFID II«), die angesichts der technischen Entwicklungen schon wieder überholt scheint, soll nun noch vor der Europawahl durchs Parlament gejagt werden. Linke Kritiker wie die Nichtregierungsorganisation WEED halten den MiFID-Kompromiss für »gemischt«.

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