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Schön gelogen

Die nebenstehende Farbfotografie hätte ein schönes Cover für Monika Marons Roman »Flugasche« abgegeben, der in Bitterfeld spielt, aber 1981 nur im Westen erscheinen konnte. Doch das von Kurt Schwarzer aufgenommene Foto zierte bereits 1963 das Cover der Frauenzeitschrift »Für Dich«. Es zeigt auch nicht Marons junge Journalistin bei ihrer zum Scheitern verurteilten Recherche im Braunkohledunst, sondern ein glückliches »Paar mit Moped vor dem Kraftwerk Vockerode«. Dass hier drei Jahre zuvor eine NVA-Maschine im Nebel an einem der Schornsteine zerschellt war und sieben Menschen gestorben waren, ist nicht zu sehen.

In der gestern eröffneten Ausstellung »Farbe für die Republik« widmet sich das Deutsche Historische Museum »der offiziellen journalistischen Bildproduktion der DDR«. Grundlage der kommentierten, durch ein Veranstaltungsprogramm ergänzten und natürlich für den Schulunterricht empfohlenen Schau sind die Archive der freiberuflichen Bildjournalisten Martin Schmidt (geb. 1925) und Kurt Schwarzer (1927-2012). Deren Arbeiten waren im Auftrag von Zeitschriften, Organisationen und Betrieben entstanden, auch Werbefotos für Messen und Kochbücher sind dabei. Die Bilder dienten, so das Museum, »der Propaganda im Sinne der SED«.

Faszinierende Fotos vornehmlich aus den 60er und 70er Jahren: Glückliche Menschen in einer heilen Welt lachen uns darauf entgegen, viele schöne Frauen auch, in der Fabrikhalle, auf dem Traktor, am Strand ... Augenfutter, das nicht die Realität abbildete, sondern Appetit machen sollte auf die strahlende sozialistische Zukunft. Im Begleittext wird wiederholt darauf hingewiesen, dass diese Bilder nicht nur ideologisch inszeniert sind, sondern auch alles Missliebige ausblenden: »Anpassungsdruck, staatliche Kontrolle, Altersarmut kommen nicht vor.«

Das ist wahr, aber nicht DDR-spezifisch. Inszenierung und Auslassung sind Wesensmerkmale aller Agitation. Man stelle sich nur einmal eine Whiskey-Werbung im Fernsehen vor, die nicht den coolen Genießer, sondern die erbärmliche Schnapsleiche zeigt. Oder einen Bundespräsidenten mit aufrechter, ungeschminkter Miene. mha

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