Werbung

Mobilmachung im Weltsport

Auch im internationalen Sport zeigt die Krimkrise ihre Auswirkungen

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Russische und ukrainische Amateurboxer wollen trotz Krimkrise gegeneinander antreten, ukrainische Fechter hingegen boykottierten den Weltcup in Moskau.

Die Krimkrise sorgt auch im internationalen Sport für Verwerfungen, im Kleinen wie im Großen: Dass die Turner des SC Cottbus derzeit auf ihren ukrainischen Trainer Roman Zozulja verzichten müssen, werden viele als geringfügigen Kollateralschaden ansehen - die Turner einmal ausgenommen. Zozulja wurde vor zwei Wochen zum Reservedienst in der ukrainischen Armee einberufen.

Viel schwerwiegender aber könnte sich die Krimkrise auf die Stimmungslage im Weltsport auswirken - wenn man sich all die Großereignisse in Russland ansieht, die in den kommenden Jahren anstehen: Über allem steht dabei die Fußballweltmeisterschaft 2018, deren Boykott der Grünen-Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit schon vor ein paar Wochen ins Gespräch brachte, eine Forderung, die schon bald von ein paar CDU-Hinterbänklern wiedergekäut wurde. Dabei böte sich doch schon vorher reichlich Gelegenheit für politische Demonstrationen, für die der neuzeitliche Sport seit eh und je herhalten muss: Im Oktober dieses Jahres soll die Formel 1 in Sotschi Station machen, die Schwimm-WM 2015 wird in Kasan ausgetragen. Die Eishockey-WM 2016 soll in Moskau und St. Petersburg ausgespielt werden.

Die Fechter müssen gar gleich zweimal zu Weltmeisterschaften nach Russland reisen - 2014 nach Kasan, das die WM-Austragung kurzfristig vom überforderten Sofia übernahm und 2015 nach Moskau, das dann planmäßig an der Reihe sein soll. Ausgerechnet aus der Sportart Fechten stammt der jüngste Sportboykott: Am Wochenende blieben die ukrainischen Sportler dem Weltcup in Moskau fern, als Reaktion auf den Tod eines ukrainischen Offiziers auf der Krim.

Boykottieren oder nicht boykottieren, diese Frage stellt sich derzeit allen ukrainischen Athleten und Funktionären. Dass die Ukrainer weder Olympia noch den Paralympischen Spielen fernblieben, ist vor allem den sportpolitischen Ambitionen des bekanntesten ukrainischen Sportlers aller Zeiten geschuldet. Sergej Bubka, der ehemalige Stabhochsprung-Weltmeister, ist nicht nur Präsident des NOK der Ukraine, sondern auch IOC-Mitglied und wird sicherlich wie bereits 2013 in ein paar Jahren erneut für das Amt des IOC-Präsidenten kandidieren. Ein Boykott macht sich da sehr schlecht.

Gegen das Boykottieren entschieden sich auch die ukrainischen Amateurboxer: Sie werden im Viertelfinale der Weltliga WSB gegen Russland antreten - am 30. März in Moskau und am 4. April zum Rückkampf in Donezk. Auch im ukrainischen Fußball sorgen die Verhältnisse auf der Krim für Probleme: So wurde dem bulgarischen Trainer des Erstligisten Tawrija Simferopol auf dem Weg zu einem Punktspiel die Ausreise an der Grenze untersagt, er musste den Mannschaftsbus verlassen. Metalist Charkow hingegen weigerte sich, zum Auswärtsspiel beim FK Sewastopol anzutreten. Sollten die beiden Klubs von der Krim wie vom russischen Verband angedacht im Sommer in die russische Liga wechseln, drohen Streitigkeiten in der UEFA. Vollkommen obsolet sind alle Pläne einer gemeinsamen russisch-ukrainischen Fußballliga, für die einige Funktionäre aus der Ukraine und Russland in den vergangenen Jahren Lobbyarbeit geleistet hatten.

Die US-Sanktionen gegen Russland sorgen auch für Aufregung im internationalen Sport, wenn ab 6. April in Belek (Türkei) ein weitgehend unbeachteter Weltgipfel des Sports stattfindet: die »Sportaccord Convention«. Diese beinhaltet Messe und Kongress von Sportaccord. Das ist der Dachverband von 93 Fachverbänden und 16 weiteren Sportverbänden, der mittlerweile als mächtiger als das IOC gilt (das IOC gehört nicht zu Sportaccord).

Ausgerechnet Sportaccord-Exekutivmitglied Arkadi Rotenberg aus Russland gehört zu jenen 20 Personen, die auf der US-Sanktionsliste stehen. Rotenberg ist Vizepräsident des Weltjudoverbandes und ein Jugendfreund von Russlands Präsident Wladimir Putin. Laut Forbes-Liste hat der Geschäftsmann ein Vermögen von drei Milliarden Euro und soll nach Angaben von Kremlkritikern beim Bau der Olympiaanlagen von Sotschi mit Aufträgen in Höhe von fast sieben Milliarden Dollar bedacht worden sein. Ein Sprecher von Sportaccord nannte die Sanktionen gegen Rotenberg »bizarr«. Rotenberg will unbedingt nach Belek reisen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!