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Gewinn bleibt auf der Strecke

Deutsche Bahn redet sich die Bilanzzahlen für 2013 schön

  • Von Erich Preuß, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.
Naturkatastrophen, Konkurrenz durch Fernbusse und stockende Konjunktur - die Bahn machte im Vorjahr nicht so viel Gewinn wie erhofft. Der Trend könnte anhalten, denn die Probleme sind strukturell.

Glaubt man den Worten von Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns, ist das Jahr 2013 hervorragend gelaufen. Erneut gab es mehr Fahrgäste in den Zügen - ein Zuwachs von 42 Millionen auf 2,016 Milliarden. Besonders stark war die Steigerung im Nahverkehr.

Im ersten Halbjahr 2013 stieg die Zahl der Reisenden im Fernverkehr leicht an. Doch danach kam das Desaster insbesondere infolge der mehrmonatigen Sperrung der Verbindung Berlin - Wolfsburg wegen des Hochwassers. Die Reisenden suchten sich andere Verkehrsmittel, wie Flugzeuge oder Pkw. Zum Jahresende blieb es wie im Vorjahr bei 131 Millionen Fahrgästen im Fernverkehr.

Wo die Zahlen nicht so berauschend ist, sind meist andere schuld. »Die Konjunktur verlief vielerorts schlechter als erwartet«, begründete etwa Grube die schlechte Entwicklung beim Güterverkehr. So kam es dort zu einem Rückgang der Verkehrsleistung um 1,5 Prozent auf 104,3 Milliarden Tonnenkilometer. Auch der Umsatz der Bahn-Spedition Schenker schwächelte in aller Welt. Mit 39,1 Milliarden Euro blieb er 2013 sogar noch knapp unter dem Vorjahresniveau von 39,3 Milliarden Euro.

Der größere Aufwand für Personal und Energie infolge des Hochwassers und zweier Sturmtiefs belasteten den Fernpersonen- und den Güterzugverkehr. Dementsprechend fiel die Deutsche Bahn beim Gewinn vor Zinsen und Steuern auf 2,2 Milliarden Euro zurück; 2,9 Milliarden Euro waren erwartet worden. Die Verschuldung blieb bei knapp 17 Milliarden Euro.

Etwas Luft erhält der Konzern, indem er 2014 nicht, wie beabsichtigt, 700 Millionen Euro an den Bund überweist, sondern nur 400 Millionen Euro. Für 2013 sollte die Abführung ursprünglich 525 Millionen Euro betragen, nun wird sie mit 200 Millionen Euro wesentlich magerer ausfallen.

Wer die Zahlen betrachtet und die Vorstände hört, kann sich wundern. So hat der Fernbusverkehr 2013 der Bahn Fahrgäste und Einnahmen in Höhe von 40 Millionen Euro abgenommen hat. Ein Pappenstiel? Wäre die Bahn nicht ebenfalls mit Fernbussen im Geschäft, fiele der Verlust noch höher aus. Neue Doppelstockbusse wurden für die Linien Freiburg - München und München - Prag gekauft; doch der Vorstand tut so, als wäre dieser Verkehr für das Geschäft unbedeutend. Dabei sind trotz verschiedener Sonderaktionen die Zahlen im Bahnfernverkehr mit vermeintlicher oder tatsächlicher Überteuerung anhaltend rückläufig.

Über 11 000 Mitarbeiter seien 2013 eingestellt worden. Laut Aussagen von Gewerkschaften fängt das aber gerade mal die altersbedingten Abgänge ab. Eine Fahrdienstleiterausbildung von fünf Monaten, regulär dauert sie drei Jahre, sei allenfalls für einfachste Verhältnisse möglich. Die Zahl der Überstunden bei Lokführern, Fahrdienstleitern und Instandhaltern von Sicherungsanlagen ist prekär.

Dass Grube auf den Bonus verzichtet, um wegen seines Gehalts nicht ins Gerede zu kommen, erscheint ehrenwert. Er verteidigte aber seinen Plan, einen Cheflobbyisten zu berufen. Dafür ist Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) im Gespräch. Der Einfluss politischer Rahmenbedingungen nehme stetig zu, so Grube. 2015 werde deshalb ein Generalbevollmächtigter für den Bereich »Wettbewerb, Politik und Regulierung« installiert. Grube nannte keinen Namen, versicherte aber, man werde eine zwölfmonatige Karenzzeit einhalten beim Wechsel eines Politikers.

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