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Ein letztes Mal Quälen für die Tour

Radprofi Jens Voigt jagt kaum noch nach Siegen, er sammelt Rekorde

Jens Voigt ist alt geworden - für einen Radprofi. Trotzdem will er noch einmal zur Tour de France, denn dort lockt die Bestmarke eines alten WG-Kumpels.

Der 42-Jährige Radsportler Jens Voigt ist doch noch mal aufs Rennrad gestiegen. Obwohl er schon mehrere Jahre über den richtigen Zeitpunkt des Karriereendes nachdenkt, quält er sich gerade über die Berge bei der Katalonien-Rundfahrt. Denn im vergangenen Herbst hatte sich der gebürtige Mecklenburger entschieden: »Ich hänge noch ein Jahr dran. Ich brauche das Jahr, um dem Radsport Goodbye zu sagen.«

Den Berliner hat zudem der Ehrgeiz gepackt: »Ich will noch einmal bei der Tour de France starten. Es reizt mich, zu George Hincapie und Stuart O’Grady aufzuschließen«, sagt Voigt. Der Amerikaner und der Australier waren schon 17 Mal bei der Tour. »Wenn ich von meinem Team nominiert werde, nehme ich die Chance eines 17. Tourstarts wahr.« Ehefrau Stefanie hat sich schon damit abgefunden. »Das eine Jahr verkrafte ich auch noch«, sagt sie, nachdem sie ausgerechnet hat, dass ihr Mann in den vergangenen 20 Jahren allein bei der Tour de France ein Jahr und zehn Monate unterwegs war.

Bereits 1994 hat Voigt als Amateur die Friedensfahrt gewonnen. Das Team Telekom lehnte ihn damals trotzdem für seine Profimannschaft ab. Im Nachhinein war das wohl gar nicht schlecht für Voigt. Unter den heutigen Profis gilt er nun als Nestor. »Eigentlich sind Alter und Teilnahmehäufigkeit keine Sache, für die man Blumen bekommt«, sagt Voigt, gibt dann aber zu: »Ich bin zufrieden, dass ich so lange durchgestanden habe.«

Mit O’Grady keuchte er einst im französischen Team Credit Agricole gemeinsam über die Landstraßen. »Wir teilten uns einige Jahre eine Wohnung in Toulouse.« In Frankreich erfreut sich Voigt außerdem großer Beliebtheit, weil er die Tour mit seinen Ausreißversuchen immer spannend machte und den einheimischen Radioreportern in fließendem Französisch antwortet.

»Mit 80 oder 90 Sachen die Berge hinunterzurasen ist nicht mehr so richtig meine Sache«, sagt Voigt heute. »Trotzdem reizt mich die Tour.« Mit der Katalonien-Rundfahrt in dieser Woche begann er daher schon jetzt seine Vorbereitung auf die »Große Schleife« im Juli. »Ich brauche schwere Rennen, um mit Spitzenform an den Start gehen zu können«, meint Voigt. Deswegen kehrt er nach sieben Jahren Pause auch wieder zur Bayern-Rundfahrt zurück, die er bereits dreimal gewonnen hat.

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