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Die Ahnung eines Albtraums

Simon Poelchau über ein deutsches Konjunkturmärchen

Es war einmal ein Land inmitten von Europa. Nennen wir es Deutschland. Während überall herum die Wirtschaft im Argen lag, träumte man das Märchen von der prosperierenden Konjunktur: Weil jeder fleißig sei und man kräftig exportiere, würde jeder davon profitieren.

Manche Nachrichten verdrängte man da, wie die Ahnung eines Albtraums: etwa, dass nicht alle vom Konjunkturwunder profitieren. So vermeldete das Statistische Bundesamt erst am Freitag mit endgültigen Zahlen, dass die meisten Menschen in Deutschland de facto gar nicht mehr Geld in der Lohntüte haben. Auf Grund der allgemeinen Preissteigerung muss der durchschnittliche Arbeitnehmer sogar ein leichtes Minus von 0,1 Prozent hinnehmen. Natürlich kann man die Nachricht noch zum Guten wenden. Etwa indem man hervorhebt, dass Tarifbeschäftigte letztes Jahr 2,4 Prozent mehr Lohn bekommen haben. Abzüglich der Inflationsrate von 1,5 Prozent ist das immerhin noch ein leichtes Reallohnplus von 0,9 Prozent. Doch nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten haben das Glück, tariflich entlohnt zu werden. Alle anderen bekamen deshalb abzüglich der Inflationsrate real 0,7 Prozent weniger bezahlt.

So ist es leider mit den Statistiken. Sie vertragen sich nicht unbedingt mit Märchen. Die Frage ist nur, wann und wie man aufwacht.

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