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Anand kann wieder Weltmeister werden

Der indische Schachzauberer gewinnt das Kandidatenturnier und trifft erneut auf Norwegens Titelverteidiger Magnus Carlsen

  • Von Dagobert Kohlmeyer
  • Lesedauer: 3 Min.
In der Schachszene hat sich nichts verändert. Wieder heißt die WM-Paarung Magnus Carlsen gegen Viswanathan Anand.

Der Slogan »They never come back« gilt vor allem für Boxchampions, nicht aber für Viswanathan Anand. Mit seinem vorzeitigen Sieg im WM-Kandidatenturnier von Chanty-Mansisk hat der 44-jährige Inder ein neues Kapitel Schachgeschichte geschrieben.

Schon vor der Schlussrunde am Sonntag stand der Senior des Feldes als Gewinner fest, weil er 1,5 Punkte Vorsprung vor der Konkurrenz besaß. Damit kommt es im November 2014 zur Neuauflage des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Anand und dem Norweger Magnus Carlsen, der den Inder im Herbst in dessen Heimatstadt Chennai entthront hatte.

Am Sonnabend hatte Anand in einer spannenden Remis-Partie von 91 Zügen gegen Sergej Karjakin (Russland) sechs Stunden lang alle Probleme gemeistert. Vor dem letzten Spieltag lag er deshalb uneinholbar vorn. Sein gestriges Spiel gegen den Russen Pjotr Swidler endete ebenfalls friedlich. Es wurde zum Schaulaufen für den Tiger von Madras, dessen Zähne im ganzen Wettbewerb scharf wie zu seinen besten Zeiten waren.

Anands Siegprämie betrug 135 000 Euro. Er gewann mit 8,5 Punkten aus 14 Partien, während die anderen Favoriten Wladimir Kramnik (Russland) und Levon Aronjan (Armenien) nur 7,0 bzw. 6,5 Punkte holten. In dem WM-Qualifikationsturnier zeigte der Inder kaum Schwächen und verlor als einziger der acht Teilnehmer kein Spiel. Gleich zu Beginn bezwang er den als Hauptfavoriten gehandelten Weltranglisten-Zweiten Aronjan in einer strategisch meisterhaften Partie.

Damit signalisierte der Exweltmeister früh, dass er sein Formtief vom WM-Kampf mit Carlsen überwunden hatte und der Sieg nur über ihn gehen würde. Die anderen und viel jüngeren Kontrahenten konnten überraschend nicht mithalten. Der in letzter Zeit so erfolgreiche Aronjan, der in Berlin wohnt, scheiterte im Turnierverlauf einmal mehr an seinen Nerven. Er verlor drei Partien, was bei ihm äußerst selten passiert. Am Sonnabend unterlag der Armenier dem jungen Russen Dmitri Andrejkin, womit er seine Siegchancen endgültig begraben konnte.

Auch Exweltmeister Wladimir Kramnik hatte sich bedeutend mehr ausgerechnet. Der Russe steckte viel Zeit in die Vorbereitung und spielte etliche Monate vor dem Turnier keine Wettkämpfe mehr. Doch Kramnik leistete sich ebenfalls drei Niederlagen, weil er das Risiko mitunter zu hoch schraubte. Am Ende setzten sich zum Erstaunen vieler Fachleute Anands Erfahrung und Cleverness durch. Dazu gehörte auch, eine besser stehende Partie remis zu geben. »Wenn man deutlich führt, kann man wie im Basketball die Uhr herunterlaufen lassen« twitterte Großmeisterin Susan Polgar aus den USA.

Weltmeister Magnus Carlsen schaltete sich am Wochenende via Internet in die Live-Kommentare auf der Veranstalterseite ein. Er gratulierte Anand zum Sieg und betonte, dass er sich auf den nächsten Zweikampf mit ihm freue. Schon in der Mitte des Turniers hatte der Skandinavier das starke Spiel des indischen Schachzauberers und seine filigranen Figurenmanöver gelobt.

Anand war fünffacher Schachweltmeister und muss keinem mehr etwas beweisen. In Indien ist der oftmalige Sportler des Jahres längst ein Nationalheld. Wenn der Figurenkünstler im Herbst gegen Carlsen auch so starke Züge wie jetzt aufs Brett bringt, wird es der Norweger schwerer mit ihm haben als bei ihrem ersten Match, übrigens dem kürzesten der WM-Geschichte. Ein Ort für das kommende Duell um die Krone steht bislang noch nicht fest.

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